Mittwoch, 30. August 2006 19:25 Kuala Lumpur, Malaysia. Ach, ich fühle mich schrecklich einsam. Johnny geht jetzt mit Thomas und Evi essen, mich hat man nicht mal gefragt. Schon unfein. Das ist wirklich keine Art. Da telefoniere ich extra vor ein paar Tagen mit Thomas und alles was er meint ist, er müsse sich mal wieder bei Johnny melden. Frechheit!
Nun, da bin ich also. Habe noch immer nichts getan. Fühle mich schrecklich. Und weiß nicht was ich tun soll. Kim hat mir vorhin ein SMS geschrieben, doch ich habe kein Guthaben um zu antworten. Dazu müsste ich nach unten gehen um welches zu kaufen. Ich bin zu faul, viel zu faul. Gar nichts freut mich heute. Nichts macht Sinn. Alles ist sinnlos. Ich will nicht alleine sein, will mich verstecken, will keiner Menschenseele begegnen. Ich widerspreche mir? Tatsächlich... Ich will einfach nur nicht mehr ich sein. Gar nichts freut mich, weder essen noch hungern, weder alleine zu sein noch Gesellschaft. Arbeiten mag ich schon gar nicht und zum Fortgehen hab’ ich kein Geld mehr. Ach, das Thema mit dem Geld bin ich auch schon leid. Ich sollte jetzt mal endlich ein paar Produkte verkaufen und gute Gewinne machen. Das wäre ja der Hit. Dann bräuchte ich mir keine Sorgen wegen den Kosten für die Miete machen und könnte einfach reisen ohne über Geld nachdenken zu müssen. Ich hätte einfach immer genug in meiner Tasche und könnte kaufen was auch immer mein Herz begehrt. Das wäre so wunderschön. Werde ich das wohl schaffen? Werde ich das erreichen? Und reicht es Kunden aufzubauen, oder sollte ich parallel dazu auch noch Leute für mein Business rekrutieren? Reicht es nicht aus den Reihen der Kunden zu rekrutieren? Wenn ich genug habe, könnte das schon gut funktionieren. Dazu muss ich einfach mal beginnen. Ich werde also heute noch Säcke von der Wäscherei holen. Das mache ich gleich. [Kurze Unterbrechung.]

Ich habe einen leeren Sack aus der Wäscherei geholt und war auch gleich unten beim Kiosk und habe mein Handy wieder mit Guthaben versorgt. Ich habe jetzt schon 2.880 Punkte, die ich von Maxis bekommen habe und weiß nicht was ich mit ihnen tun kann oder soll. Das sind halt so Gutpunkte, die man fürs Telefonieren bekommt. Ich muss mal auf die Webseite schauen, was ich damit machen kann.
Nun, meistens weiß ich ja genau was ich tun sollte. Oder zumindest was ich gern tun würde. Ich sollte also zum Beispiel meine schmutzige Wäsche in den Sack räumen. Ja, das mach ich gleich. [Kurze Unterbrechung.]

Sehr gut. Ich habe also meine Schmutzwäsche in den Sack getan und ihn neben die Türe gestellt. Was sollte ich noch tun? «Du solltest noch ein paar alte Einträge zu der druckbaren Version deines Buches hinzufügen.» Okay.

Nun, ich habe also alle der verfügbaren ersten Einträge zu der Datei für mein Buch hinzugefügt. Endlich geht da was weiter. Ich musste jetzt echt mal feststellen, dass ich nur die ersten zwanzig Einträge auf meine Festplatte gespeichert habe, also vom Internet in ein Wordfile kopiert. So was aber auch. Eigentlich schade. Das wollte ich schon lange abgeschlossen haben. Was ich jetzt also machen sollte ist den Computer an das Ladekabel anzustecken, damit er voll wird. Und dann sollte ich zum Internetcafe runter gehen, das habe ich ja schon seit Tagen vor und komme nie dazu, oder will nie dazukommen. Wie dem auch sei, ich drücke mich immer davor, denn ich bin zu faul um die Wohnung zu verlassen. Eigentlich schon schade, dass ich hier in so einer schönen Stadt bin und dann den ganzen Tag zu hause sitze und nichts tue. Doch ich tue was. Ich blase Trübsal und bemitleide mich selbst. Nicht sonderlich sinnvoll, ich weiß. Langfristig bringt mich das wohl nicht weiter. Gut, ich werde also jetzt noch zwei oder drei Kannen Wasser kochen und dann, wenn der Laptop voll aufgeladen ist gehe ich zum Internetcafe runter und poste neue Einträge und werde endlich die alten Einträge, die ich im Internet geschrieben habe auf meinem Computer abspeichern. Das erfüllt nun nicht nur den Zweck, dass sie gesichert und gespeichert sind, sondern auch dass ich sie einfach und bequem bearbeiten und in mein Buch einfügen kann. [Ich gehe in die Küche und werfe den Wasserkocher an.]

Ja, habe soeben kaltes Wasser in Flaschen gefüllt und neues heißes Wasser in den Krug gekippt, damit es auskühlen kann. In der Küche sieht es ganz ungemütlich aus. Der Topf von gestern ist noch schmutzig, ebenso die Teller und das Besteck, Eigentlich sollte ich das jetzt noch abwaschen bevor ich zum Internetcafe gehe. Ich sollte zwar auch schleunigst da runter gehen, doch das Abwaschen ist auch wichtig. «Warum machst du es nicht einfach?» Ja ja, ich weiß, ich sollte es einfach tun. Der Akku muss eh noch laden, also kann ich in der Zwischenzeit das Geschirr abwaschen. Und während ich das tue kann ich auch gleich noch neues Wasser abkochen. Okay, lass uns das also tun.

Ah. Alles läuft nach Plan. Das schmutzige Geschirr ist also abgewaschen, es fühlt sich gut an. Wasser ist gekocht und weiteres wird gerade. Einfach toll. Und währenddessen hat sich der Akku schon fast vollständig aufgeladen. Zweiundneunzig Prozent, also fast voll. Was kann ich also noch tun? Was sollte ich also noch tun? Ach ja, ich wollte dir noch etwas erzählen. Letzte Woche hatte ich das Gefühl, dass mein Geld immer mehr wird und ich schon beinahe nicht mehr weiß wie ich es ausgeben soll. Zwei Tage war ich sogar shoppen und habe in Summe drei neue T-Shirts gekauft. Und diese Woche scheint es als wolle das liebe Geld einfach nicht reichen. Das ist doch unglaublich. Vermutlich sollte ich zuerst mal die Stromrechnung zahlen und dann wird mir schon wieder Geld überbleiben. Ja, vermutlich ist es das. Und ich sollte einfach aufpassen, dass ich keine Vorgriffe mehr mache auf das Geld für den nächsten Tag. Ja, es geht wirklich darum, nur das auszugeben was ich in meiner Tasche habe oder eben weniger. Was nicht da ist kann nicht ausgegeben werden. Und ich sollte kein Geld borgen um etwas bezahlen zu können. Richtig. Ich borge mir einfach kein Geld mehr von anderen Leuten. So einfach ist das. Und wenn ich zu wenig Geld habe um den Einkauf zu bezahlen, dann muss ich an zwei Tagen einkaufen gehen, oder eben das Geld zusammensparen. Ja, so ist es. So und nicht anders. Und ich sollte anfangen Produkte zu verkaufen, damit endlich mehr Geld rein kommt, denn wenn mehr rein kommt kann ich auch mehr ausgeben. Denn zehn Prozent aller Einnahmen stecke ich in meine Tasche um sie nach Lust und Laune auszugeben.
So, ich werde also noch schnell ein Email schreiben und dann mache ich mich auf den Weg ins Internetcafe. Ich schicke Meli meine Adresse von hier, sie wollte mir einen Brief schreiben. Und Julias SMS sollte ich auch noch beantworten. Ja, das mache ich gleich.

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