Donnerstag, 31. August 2006 04:01 Kuala Lumpur, Malaysia. Ah, ich bin todmüde. Alles wurde anders als geplant. Vielleicht war es ja auch gut so. Also ich bin dann am Abend mit dem Laptop in der Tasche nach unten, Richtung Internetcafe als ich beim Tor Peter treffe. Ich frage ihn was er noch vor hat, sage ihm dass ich eigentlich zum Internetcafe wollte mich nun aber sehr einsam fühle und über Gesellschaft freuen würde. Er hat nichts vor, ist ebenfalls hungrig und möchte mit ein paar Leuten den Abend verbringen. Ich begleite ihn also, wieder nach oben, in die Wohnung. Zusammen rufen wir dann ein paar Leute an. Yann ist in Singapur, Danny ist in Johor, Rica ist zu hause und hat nichts vor. Großartig! Wir treffen uns also mit Rica und Claudia um essen zu gehen. Claudia verlässt uns schon nachwenigen hundert Metern, da sie zu ihren deutschen Freunden Tanja und sonst wie geht. Ich halte nichts von ihr. Weder von Tanja noch von Claudia, von Claudia noch etwas mehr. Sie ist zumindest mit einem Lächeln auf den Lippen zu sehen und das ist es. Ich kenne sie vielleicht einfach zu wenig. Oder aber wir haben nicht die richtige Chemie, das kann auch sein. Aber sie scheint okay zu sein. Von Tanja könnte ich das nicht behaupten. Aber egal. Jedenfalls waren wir dann beim Inder essen, ausgezeichnet. Anschließend sind wir zu Rica gegangen und haben das Feuerwerk angeschaut, das es wegen des neunundvierzigsten Unabhängigkeitstages gab. Punkt Mitternacht ging es los. Drei verschiedene Feuerwerke in drei Teilen der Stadt, eines nach dem anderen. Genial. Der Blick von Ricas Balkon war super, immerhin sechsundzwanzigster Stock. Wir wollten dann eigentlich noch DVD schauen, doch ihr Computer ist so langsam, oder wahrscheinlich passt da einfach was nicht. Ihr ganzes System sah etwas instabil aus. Gleich nach dem Start Fehlermeldungen und dann hat sich das DVD-Programm nicht ausführen lassen. Wie dem auch sei, der Film ist etwa zehn Minuten gelaufen. Peter ist inzwischen auf der Couch eingeschlafen. Als es dann gar nicht mehr funktioniert hat, haben wir beschlossen nach hause zu gehen. Ich habe also noch ein paar andere Filme mitgenommen. Ich sehe sonst nie DVD und Filme sehe ich nur wenn ich ins Kino gehe. Das ist also etwas ganz Besonderes für mich und auch etwas ganz Seltenes. Vielleicht ist es eben besonders weil es selten ist. Klingt sehr banal. Jedenfalls habe ich dann „seven swords“ angesehen. Ein genialer Film. Sehr packend. In Mandarin, mit englischen Untertiteln. Endlich mal englische Untertitel die gepasst haben. Ich habe hier schon Filme gesehen, in Englisch bei denen die englischen Untertitel etwas Anderes sagen als der Ton. Es ist sinngemäß meistens gleich, doch total verwirrend. Manchmal sind in den Untertiteln auch nur englische Worte zu sehen, die so ähnlich klingen wie das was eben gesagt wurde und im Zusammenhang einfach keinen Sinn machen. Jedenfalls ist der Film jetzt vorbei, ich habe es geschafft. Er muss weit über zwei Stunden gedauert haben. Eine Ewigkeit. Es kam mir echt lange vor. Gegen drei Uhr hat jemand Peter angerufen, der seit sicher schon zwei Stunden geschlafen hat. Er ist dann aufgesprungen und wenige Minuten später war er durch sie Eingangstüre verschwunden. Er meinte er würde später wieder zurückkommen. Nun, kurz vor halb fünf ist er wieder aufgetaucht. Ich weiß nicht mehr wirklich was ich schreibe, meine Finger sind müde. Ich bin müde, es freut mich eigentlich nicht mehr zu schreiben. Den Film, den ich mir jetzt noch ins Schlafzimmer mitgenommen habe werde ich bestimmt nicht mehr ansehen. Ich schlafe schon fast im Sitzen ein. Das ist ja wirklich wild.
Julia hat mir ein paar SMS geschrieben. Sehr nett. Sie steht wohl auf mich. Nun, da hat sie wohl einen schlechten Zeitpunkt erwischt. Ich bin gerade auf der anderen Seite der Welt und habe vor hier zu bleiben. Es gibt nichts in Österreich was es für mich wert wäre dort hin zu gehen. Und momentan aus finanziellen Gründen nicht mal für Urlaub. Ich habe ihr ein lustiges SMS geschrieben, indem ich sie gefragt habe ob sie morgen bei mir schlafen will. Nun, sie meinte wenn ich bezahlen würde. Aber wie sich dann im weiteren Verlauf herausgestellt hat, liegt es daran nicht. Ich denke, dass sie zu sehr mit der Org verstrickt ist und von daher so eingeengt und gebunden ist, dass sie nicht mal die Freiheit hat um hier her zu kommen. Sie ist jung, hat keinen Job, geht nicht in die Schule. Was würde eigentlich dagegen sprechen, dass sie zu mir kommt und wir hier zusammen leben? Nette Idee, oder? Ist das sinnvoll, oder träume ich schon wirres Zeug zusammen? Na schauen wir mal was die Zukunft so bringt. Vermutlich würde ich ihre große Nase hässlich finden wenn ich sie erst sehe. Kann gut sein, ging mir mit Petra ja auch so. Mal schauen, Julia meinte sie würde mir ein langes SMS schreiben. Ich halte dich auf dem Laufenden was sich so tut, vielleicht ist das ja das was passieren soll. Für mich ist mittlerweile allerdings eines klar geworden. Hier ist das Land wo ich leben möchte, hier ist es wunderschön. Johnny regt sich immerzu auf, dass es hier nicht schön ist. Es gefällt ihm nicht wirklich. Er jammert und klagt und ich bin es schon leid. Es ist ihm zu heiß und die Stadtluft ist ihm zu schlecht und die Straßen zu schmutzig und die Unterschiede zwischen arm und reich zu groß und er mag es einfach nicht. Ich finde das unverständlich. Es könnte mich fast aufregen. Hier ist es einfach wunderschön, ich bin hier angekommen und wusste, das ist das Fleckchen Erde wo ich bleiben will. Hier ist es perfekt, hier ist es wunderschön. Das Klima ist super, die Luft ist okay, in Wien ist sie auch nicht besser, die Menschen sind nett, das Essen ist super. Ah, Johnny mag das Essen nicht. Ich finde er ist überhaupt etwas zu wählerisch, einfach zu heikel. Ich genieße es einfach hier und ich habe schon lange aufgehört Standards von hier mit Europa zu vergleichen. Hier ist hier, Punkt. Er vergleicht zu viel. Hier ist einfach nicht Europa, zum Glück.
Ich halte dich auf dem Laufenden was sich so tut, ob ich eine chinesische Freundin gefunden habe, oder ob Julia rüber kommt und mich heiraten will, oder was sich halt tut. Okay? So, in diesem Sinne wünsche ich dir nun eine gute Nacht. Auch wenn ich jetzt eigentlich gar nicht mehr müde bin. Nun, fein. Ich werde also noch Wasser trinken und Vitamine schlucken. Duschen würde mir auch nicht schaden, dann schlafe ich bestimmt besser. Also dann, gute Nacht. Ich gehe jetzt mal in die Küche.
Jetzt habe ich ganz vergessen meine Vitamine zu nehmen. Vor lauter Schreck. Als ich ins Wohnzimmer komme, sehe ich Licht. Peter liegt mit seiner Freundin auf der Wohnzimmercouch und sie hat einen Zettel in der Hand, den sie mit dem Telefon beleuchtet. Also eigentlich hat die einen Zettel in der einen Hand, den sie mit dem Handy in der anderen beleuchtet und Peter liegt auf ihr. Ja, so ist es. Ich war jetzt echt etwas platt. Also, nicht ganz so schlimm wie es jetzt im ersten Moment vielleicht klingen mag, denn sie sind beide noch bekleidet, etwas zumindest. Aber es hat gereicht um mich vergessen zu lassen meine Vitamine in der Küche zu nehmen. Da bin ich also wieder, zurück. Ich habe schon etwas Müdigkeit gespürt als ich zu meiner Zimmertür gegangen bin, doch nun da ich wieder auf meinem Bett sitze fühle ich mich recht fit. Ach, das wäre echt wichtig, dass ich meine Vitamine nehme, und nun traue ich mich nicht weil Peter mit seiner Freundin da draußen ist. Nun, das kann es ja wohl nicht sein. Erstens, ist das meine Wohnung. Zweitens, ist es okay wenn er sie in seinem Zimmer fickt, bestimmt aber nicht auf meiner Couch. Ja, so sehe ich das. Wenn ihnen sein Zimmer nicht gut genug ist, müssen sie halt in ein Hotel gehen. So ist das. Da könnte ich mich fast aufregen. Da versuche ich eigentlich nur höflich zu sein und niemanden zu stören, und schon habe ich das Gefühl in meiner eigenen Wohnung unerwünscht zu sein. Und das gefällt mir gar nicht, da wehre ich mich dagegen, glaub’ es mir. Ich werde also versuchen den Film anzusehen. Aus duschen wird wohl auch nichts. Es freut mich nicht wirklich. Ich werde mich also nur ausziehen und unter die Decke kuscheln, den Laptop mit der DVD laden und den Film ansehen.
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