Samstag, 26. August 2006 15:35 Kuala Lumpur, Malaysia. So! Vergeblich habe ich mich bemüht eine Internetverbindung zu bekommen. Vermutlich wäre es klüger wieder mal zu Starbucks runter zu gehen und dort zu surfen. Bloß dass es teuer ist dort was zu trinken zu kaufen und dass mir das Zeug dort nicht wirklich schmeckt. Meine gute Idee, ich könnte ins Office runter gehen hat sich auch gerade erledigt, denn es ist Samstag und die schließen um 15 Uhr. Zu spät. So was aber auch.
Ich bin müde. Heute fühle ich mich etwas träge. Kim ist zum Mittag gefahren. Sie muss heute arbeiten. Sie muss überhaupt viel arbeiten. Das ist eigentlich schade. Jetzt bin ich also wieder ganz alleine. Johnny ist gerade auf dem Weg zu einem Meeting. Keiner ist mehr da. Ich habe viel mit ihm geredet. Er bringt mich schon zum Nachdenken. Weißt du, es ist alles so einfach. In der Theorie fällt es mir gar noch einfacher, es sind Zahlen und Schätzungen und Wachstum und Einkommen auf Papier und perfekt. Doch wenn es dann wirklich ans Tun geht. Ja, die Planung in Ehren, doch da bin ich dann vollkommen verloren. Was ich also festgestellt habe, ich kann Flyer verteilen. Das kann ich und wenn ich es schaffe mich zu motivieren raus zu gehen, habe ich kaum noch ein Problem damit Flyer zu verteilen.
Ach, irgendwie freut es mich alles nicht. Eigentlich mag ich auch nicht arbeiten. Weder hart noch irgendwie. Ich mag einfach nicht. Der Punkt ist nur, dass ich das Geld brauche um ein nettes Leben leben zu können. Das will ich. Mehr will ich ja eigentlich gar nicht. Momentan zumindest nicht. Was tue ich also? Was tue ich also hier? Was tue ich also heute? Und, was tue ich also mit meinem Leben? Kim hat keine Zeit für mich, sie muss jetzt arbeiten. Ich hätte gern wen mit dem ich wirklich Zeit verbringen kann. Nicht nur einen Tag, sondern jeden Tag. Jemanden mit dem ich mein Leben teilen kann. Ja, das ist es. Ich wollte eigentlich diesen Monat fünf neue Kunden machen. Ich hab noch zwei Kontakte, die ich zurückrufen kann. Ich muss ja nicht. Ich kann es ja machen wie bisher mit den Unmengen von Kontakten, die ich generiert habe. Ich verteile Flyer, mache Werbung, rede mit Leuten und sammle Kontakte. Doch wenn ich sie nie zurückrufe, ist eigentlich alles umsonst. Alles vergeblich. Schade.
Ich wäre schon wirklich gut darin Kontakte zu generieren, viele und kostengünstig und konstant eintreffend. Und eigentlich macht es mir Spaß das auszutüfteln. Es macht Spaß hart zu arbeiten, Flyer zu verteilen, Anrufe zu zählen. Das ist wirklich schön. Doch ich mag nicht mit Menschen sprechen. Ich fürchte mich einfach davor. Doch, was soll ich tun? Mit der Zeit wird es immer notwendiger, dass ich etwas tue. Entweder ich finde jemanden, der die Arbeit für mich tut und ich bezahle Geld dafür. Oder... «Oder was? Hast du eine Alternative?» Nun, theoretisch könnte ich es selbst machen, aber das scheidet eher aus. Ja, oder ich habe eine Freundin mit der gemeinsam ich arbeiten kann, wo sie sich um die Telefonate kümmert und um so Zeug.
Vielleicht tut es mir ganz gut wenn ich hier ohne Socken herumlaufe. Es mag sein, dass ich Blasen bekomme, okay. Aber ich denke, es härtet ab. Das tut mir sicher gut. Vermutlich bin ich eh einfach zu verweichlicht. Schuhe bekomme ich hoffentlich bald neue aus Europa, muss Mama noch ein Email schicken, welche ich haben will. Ich habe heute mal einen vorsichtigen Blick in ein Schuhgeschäft geworfen, nur um zu sehen ob sie Flip-Flops haben. Aussichtslos, einfach nichts zu machen in meiner Größe. Schon schade. Ich sollte Mama schreiben, dass sie mir nicht nur ein Paar schicken soll, sondern besser gleich zwei. Wer weiß wie lange es noch dauert, bis ich wieder nach Europa komme. Eigentlich hatte ich ja vor meinen geschäftlichen Durchbruch hier zu feiern und im August oder September nach Europa zu fliegen, doch es sieht gar nicht danach aus. Vielleicht dauert es sogar bis Anfang nächsten Jahres bis ich wieder nach Wien komme. Es wird halt so lange dauern, bis ich das Geld beisammen habe um das Ticket zu kaufen. Dreieinhalbtausend ist halt eine ganze Menge Geld. Ja und Nein. Wenn sich hier geschäftlich wirklich was bewegt, dann sind Zehntausend Kleinkram. Doch das liegt an mir. Ich habe es in der Hand. So schön das klingen mag, so viel Möglichkeiten das bietet, so sehr ist es auch der Fluch nichts tun zu MÜSSEN. Damit passiert halt einfach nichts. Selbstmotiviertes Arbeiten ist so eine Sache. Ja, das ist so eine Sache.
Eigentlich wäre es schön zehn neue Kunden zu finden nächsten Monat. Das wäre fein. Wenn ich mir ansehe, was dazu nötig ist, so ist das auch noch fein und ich muss mir eingestehen, es ist Arbeit, die ich in der ersten Woche des Monats erledigen könnte. Ja, lass uns das tun. Das wäre schon genial. Das wäre wirklich mein Traum. Eine Woche voll zu arbeiten und damit genügend Einkommen für den Rest des Monats zu schaffen. Nette Idee, das mag ich wirklich. Doch woran liegt es, dass das nicht passiert? An mir. Eh klar, an wem denn sonst?
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