Samstag, 26. August 2006 01:42 Kuala Lumpur, Malaysia. Hallo liebes Tagebuch! Eigentlich schreibe ich dir weil ich gerade nicht einschlafen kann. Aber wovon ich dir schreibe sollen nicht meine Einschlafschwierigkeiten sein, sondern erstens eine Überlegung oder eher ein Konzept welches erst heute Morgen vollständig in gedankliche Form gebracht wurde und nur vollständig mit Worten umschreibbar ist, und zweitens ein Erlebnis zum Thema Träume, dass ich nun eben während des am-Bett-Liegens hatte, während ich noch so da lag obwohl ich eigentlich schon beschlossen hatte aufzustehen um zu schreiben.
Überlegung: Erstens! Frau und Familie, bzw. Frau im Sinne von Familie, so mit häuslich und zusammen und allem Drum und Dran, so wie es sich halt wirklich gehören würde, soll dem Mann Rückhalt geben und ihn in seinem Tun bestärken. Soll ihm helfen seine Aufgaben zu meistern, den Unterhalt für die Familie zu verdienen, indem sie ihn durch ihr sanftes, angenehmes und fürsorgliches Wesen umsorgt. Es geht bei dem Konzept der kleinsten Familieneinheit, im Sinne von Mann und Frau, also nicht um Kostenminimierung, sondern darum eine erfolgreiche Aufgabentrennung zu schaffen. Dieses Konzept mag in letzter Zeit etwas unter Beschuss geraten sein, dennoch hat es sich sehr gut bewährt. In anderen Kulturen haben sich andere, teils auch konträre Konzepte, ebenfalls gut bewährt. Es geht also viel mehr darum, dass Aufgabenverteilung und Übereinstimmung der Einzelpersonen wie der Gesellschaft zu der Verteilung der Zuständigkeitsbereiche vorhanden ist, als um die konkrete Frage „Wer tut was?“ Es geht also darum eine klare Regelung zu haben, klare Richtlinien, klare Abmachungen, einfach ein Schema mit dem übereingestimmt wird, das sich durchführen lässt. Denn wie man herausfinden soll, schafft das anarchistische Nichtvorhandensein eines solchen Chaos, unzugeordnete Gebiete, Streitigkeiten, mangelnden Zusammenhalt, fehlende Anerkennung, sinkende Leistung, wachsenden Frust, steigende Scheidungsraten und so fort. Im Grund genommen wäre es vermutlich egal wer was tut, nun ist es natürlich sinnvoll in einem frühen Stadium einer Kultur etwa landwirtschaftliche, körperlich anstrengende Aufgaben aufgrund des Körperbaues Männern zu überlassen bzw. diese dafür zu bevorzugen. Alles andere wäre einfach ineffektiv oder eben Verschwendung von Potential. Also lasst uns klären wer was macht und fertig. Eine kräftige Portion Zuneigung und fertig ist der süße Brei.
Du weißt schon worauf ich hinaus will. Streben beide Teile eines Paares nach beruflichem Erfolg, wer kümmert sich dann um den Haushalt? Beide sind so in Arbeit und Geschäfte verstrickt, dass sie wenn sie beide erledigt um Mitternacht nach hause kommen vermutlich nicht mal mehr miteinander reden, da entweder keiner der beiden zuhören kann da beide das Bedürfnis nach reden haben müssten nach einem langen harten Tag. Beide spielen eine aktive Rolle, darauf läuft es hinaus. Keiner der beiden wäre in der Lage seinem Partner Ruhe, Zeit, Stille, Aufmerksamkeit und Zuneigung zu schenken. Nun, das ist es worum es also geht. Es ist wie der Versuch, derjenige zu sein, der kocht aber nicht isst. Das ist ja fein. Kein Problem. Frau kocht für ihren Mann der nach der Arbeit nach hause kommt, oder eben umgekehrt. Nun, würden beide kochen, jedoch keiner von ihnen essen... Okay, es ist also klar worauf ich hinaus will. Ich weiß, ich habe mich gerade bei dem Versuch ertappt es überzeichnen zu wollen.
Und so habe ich mir also meine Gedanken dazu gemacht. Eine Freundin, die hinter mir steht. Das ist es was ich ja schon tags zuvor aufgeschrieben habe. Das ist ein wesentlicher Punkt. Zuspruch, Unterstützung, nicht mal im Sinne von Tun und Arbeit abnehmen, sondern viel mehr im Sinne von Da-Sein und Zuhören. Und eigentlich sollte es viel mehr so etabliert werden gesellschaftlich, global, wie auch immer. Ich will keinesfalls Frauen an den Herd verbannen, denn ich koche selbst gern und gut. Es geht einfach nur darum, dass manche Sachen am Besten von einem getan werden und der zweite Unterstützung ist. Es gibt Sachen, die man gemeinsam tun kann. Und es gibt Sachen, die man einfach nicht tun sollte. So einfach ist das. Das heißt natürlich nicht, dass nur einer von beiden beruftätig sein soll. Wir wollen hier nicht altmodisch oder gar unzeitgemäß erscheinen, denn in Zeiten wo es teils zu einer Notwendigkeit geworden ist erübrigt sich die Frage. Doch sollte man dieser Entwicklung und ihrem ungehinderten Voranschreiten Einhalt gebieten, im Interesse der Familienstruktur, der Kindheitserfahrung und somit der Prägung künftiger Generationen. Es geht hierbei um die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts.
Gut. Zweitens! Doch bevor ich mich in die düsteren Abgründe meiner Gedankenwelten stürze gönne ich mir noch einen Schluck Flüssig und eine Rauchpause. Bis gleich!
Ich bin wirklich zufrieden mit Erstens, wie mir die Worte aus den Fingen geflossen sind. Nun fühle ich mich etwas schwindlig von der Zigarette, die ich eben geraucht habe. Meine Finger tippen langsamer und mir fehlt es erheblich an Treffsicherheit für die richtigen Tasten. Ich rauche sehr wenig in letzter Zeit und es ist immer öfter ein beinahe oder nicht nur beinahe sondern wirklich leicht berauschendes Gefühl. Es strömt nun einiges auf mich ein, da ich mich all den Bildern stellen will, die so schnell durch meinen Geist flossen. Ich frage mich noch wo ich am besten beginnen soll. Nun, ich lag eben zuvor also noch im Bett und plötzlich tauchten kranke Bilder der Folter vor mir auf. Es war nichts Böses in ihnen, dennoch haben sie mich abgestoßen. Es ging um die Vorstellung die Hand einer Person mit einem Bügeleisen zu verbrennen, durch eine ganz kurze gezielte Berührung. Später artete es dann zu einem gewaltsamen beide Hände einer Person auf eine heiße Metallplatte pressen aus. Die Vorstellung des Schmerzes. Das Klebenbleiben der obersten Hautschichten auf dem heißen Metall. Das gewaltsame Runterreißen. Die Beschädigung der Hautstruktur, ich konnte es fast wie mikroskopisch vergrößert vor mir sehen.
Dann tauchte das erste Bild aus einem Traum vor mir auf und mit ihm ein beängstigendes Gefühl. Ich wusste noch nicht was es damit zu tun hatte. Es war der Hinterhof eines kleinen Einfamilienhauses. Wiese, ein schmaler Streifen, daneben ein Holzzaun, Laub das verbrannt wird. Es sind Fetzen eines Traumes, eines alten Traumes. Es verblüfft mich wie sie vor meinem inneren Auge auftauchen. Ich weiß noch, es gab Kameras, Überwachungskameras. Ich musste mich verstecken. Es ging darum durch eine Balkontür in einen der Räume einzubrechen, doch dann tauchte plötzlich jemand auf, es ging um das Verstecken. Ungesehen und ohne dass sie eigenen Spuren entdeckt werden in den Nebenraum zu gelangen. Das Warten, das langsame, fast lautlose Atmen um bloß nicht erwischt zu werden. Ein bedrückendes Gefühl.
Und dann kamen schon weitere Bilder eines noch älteren Traumes. Einer ganzen Serie von Träumen, die mich viele Nächte gequält haben muss und mir die Ruhe des Schlafes gestohlen haben muss. Es ist die Wohnung meiner Mutter in der ich einen Großteil meines bisherigen Lebens verbracht habe. Ich bin alleine. Ich verstecke mich. Es ist eine ganz eigenartige Stimmung, wie wenn sich der Himmel vor dem Hagel gelb färbt. Es ist bizarr und Furcht einflößend, weil es fremd und bedrohlich ist. Ich bin also alleine. Viele Variationen dieses Traumes hatte ich, viele Jahre in der Vergangenheit, bis in die Gegenwart reichend. Obwohl ich mich jetzt zum ersten Mal bewusst daran erinnere. Es versetzt mich in Schrecken, obwohl es sich auch wundersam heilend anfühlt das nun in Ruhe sehen zu können. Ich bin also alleine. Ein Nachbar klopft an die Tür, ich öffne. Er will eindringen. Ich versuche die Tür zu schließen. Mit Müh und Not gelingt es mir. Es ist nicht nur er. Etwas unbeschreibbar Böses ist da draußen. Es lauert, es warten, und es ist bereit anzugreifen. Es ist überall. Es scheint als wäre es überall. Ich versperre also die Tür. Jemand läutet an der Gegensprechanlage. Und während ich abnehme sehe ich wie von außen jemand die Wohnungstüre aufsperrt. Ich drück mich dagegen. Ich versperre das zweite Schloss. Meine Kraft reicht kaum oder nicht aus um m ich dem zu widersetzen. Ich fühle mich ausgeliefert. Weiß nicht was ich tun soll, bin verzweifelt. ich weiß, es sind noch Fenster gekippt. Ich kann mich nicht von der Türe entfernen, sonst dringt es ein. Ich renne umher. Schließe die Fenster. Sichere einen Raum nach dem anderen. Ich habe Angst. Ich versuche sicherzustellen, dass die Fenster zu sind. Schaue unter die Betten, in die Kästen. Ja, dieser Raum ist okay. Zum nächsten. Ich habe Angst davor den Schrankraum meiner Mutter zu betreten, ich hatte schon immer Angst vor ihm, er ist dunkel obwohl es helles Licht in ihm gibt. Ich habe eigentlich Angst vor ihrem ganzen Schlafzimmer. Es wirkt düster und beängstigend. Irgendetwas ist hier. Ich komme zurück ins Vorzimmer. Die Türe steht offen, jemand steht vor mir. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich brauche gar nicht daran zu denken mich einem Kampf zu stellen, der Gedanke taucht nicht einmal auf, denn ich weiß es ist zu spät. Er ist da. Schnitt! Nächster Fetzen: Ähnliche Situation. Ähnliche Stimmung, selbe Umgebung. Düster, gelber Himmel. Jemand versucht brutal die Türe einzuschlagen. Ich verschließe alle Fenster. Ich fühle mich hilflos, weiß nicht was ich tun soll. Ich kann nichts tun, kann nichts dagegen ausrichten. Als ich in die Küche komme erwartet mich etwas. es ist zu spät. Schnitt! Nächster Fetzen: Panik macht sich breit. Ich weiß, etwas stimmt hier nicht. Die Fenster sind versperrt, die Türe ist fürs erste gesichert. Ich laufe herum. Von einem Raum zum nächsten, Blicke hinter die Türen. Seltsame Anordnungen der Dinge finde ich vor, so standen sie nie. Als würde jemand anderer dort leben, nein. Als wäre es eine parallele Welt, dieselbe Einrichtung, dieselben Gegenstände, minimale Abweichungen. Anders gestellt. Es ist fremd. Ich gehe in mein Zimmer in dem ich schon immer lebe, plötzlich steht alles anders. Ich höre noch immer das Pochen an der Türe. Draußen läutet jemand und weitere versuchen in das Stiegenhaus einzudringen. Ich sehe hinter Türen. Arbeitszimmer scheint okay zu sein, die Balkontüre ist verschlossen, mein Zimmer ist auch in Ordnung, Abstellkammer und Klo sind fein. Doch etwas stimmt nicht. Im Wohnzimmer ist noch ein Fenster gekippt. Ich laufe schnell und schließe es. Da höre ich etwas von nebenan. Als ich in die Küche gehe, da ist es. Es ist zu spät. Das Fenster war ganze Zeit über gekippt. Etwas ist hereingekommen. Es hat sich hinter der Bar versteckt, es hat mich erwartet. Es ist schlau, extrem schlau, ich zittere vor Aufregung, Gänsehaut zieht über meinen ganzen Körper. Schnitt! Nächster Fetzen: Ich gebe die klare Anweisung die Balkontüre geschlossen zu halten. Während ich nach draußen gehe und sie nur für diesen einen kurzen Moment offen ist... Etwas öffnet das Fenster zu meinem Zimmer. Ich bin also im Garten. Ich müsste es eigentlich sehen. Es muss gerade eindringen als ich nach draußen gehe. Das Öffnen der Türe und das Öffnen des Fensters müssen exakt gleichzeitig passieren, sonst hätte ich es gehört. Ich weiß noch nicht was mich da erwartet. Als ich mich wieder nach drinnen begebe weht mir der Vorhang entgegen, er ist aus weichem, dünnen, weißen Stoff. So einen hatte ich noch nie. Panik macht sich breit. Grenzenlose Panik, Verzweiflung. ich weiß nun, etwas ist hier. Es muss hier sein. Es hat mich erwischt. Was soll ich nur tun? Wo ist es? Wo bin ich? Ist es draußen ist es drinnen? Soll ich mich ins Freie retten? Ungeschützt im Freien? Oder soll ich mich hier einschließen? Was wenn es sich hier versteckt hat und lauert? Schnitt! Nächster Fetzen: Es pocht an die Eingangstüre. Immer wenn ich zur Eingangstüre gehe kommt es durch das Fenster meines Zimmers. Ich kann nichts tun. Ich kann es nicht verhindern. Es erwischt mich immer. Ich kann mich einschließen, doch es scheint als könnte es Fenster von außen öffnen. Schnitt! Nächster Fetzen: Ich schließe mich ein. Ich habe Angst, weiß noch nicht ob ich mich nun sicher fühlen kann. Mein Herz pocht mein Puls rast. Alles scheint in Ordnung zu sein. Ich weiß, die Bedrohung ist da draußen. (Immer neue Bilder strömen auf mich ein) Kann es sich durch Wände gehen? Dann sperre ich mich hier in meiner eigenen Falle ein. Unbeschreibbare Angst überkommt mich. Es ist wie die sichere Gewissheit gleicht aus einer unbekannten Richtung getötet zu werden. Ich drehe mich panisch hin und her um überall hinsehen zu können. Aus den Augenwinkeln kann ich Schatten erkennen. Was war das? Habe ich mich nur zu schnell bewegt? War da was? Was ist es? Und ein Schrei gellt durch meinen Kopf, ein einziges lang gezogenes „Nein“, in dem sich all meine Furcht ausdrückt und der Wunsch nicht zu sterben. Schnitt! Nächster Fetzen: Die Stimmung draußen hat sich gebessert. Doch die Bedrohung ist noch da. Jetzt erkenne ich es erst, ich laufe. Ich bin durch das Küchenfenster geflüchtet als es riesengroß hinter mir aufgetaucht ist. Als wäre es aus dem Schrank gekommen. Ich renne den schmalen Pfad zwischen den Gärten entlang. Da vorne ist schon der erste asphaltierte Weg. Links. Und gleich an der nächsten Ecke rechts. An den Mistkübeln vorbei. Da rechts, hinter dem Gestrüpp ist der Kinderspielplatz - kann ich mich dort verstecken? Nein, es würde mich finden. Ich laufe links hoch. Ich versuche meine Kenntnisse der Umgebung zu meinem Vorteil einzusetzen. Doch es scheint alles zu wissen. Scheint jeden meiner Schritte vor mir zu kennen. Ich renne, renne um mein Leben. Der Schock von vorhin ist noch immer so klar und deutlich zu spüren. Doch ich habe keine Zeit zu denken. Es ist hinter mir. Ich spüre es. Schnell um die nächste Ecke. Es kann mich nicht sehen, doch es scheint zu wissen wo ich bin. Ich kann einfach nicht entkommen. Ich habe panische Angst, ich renne. Es hat nun die Gestalt eines Menschen angenommen. Ich laufe, doch die nächste Ecke ist zu weit. Er sieht mich! Ich laufe um die Ecke, doch plötzlich sieht die Umgebung anders als gewohnt aus? Wo ist der Weg zwischen den graugrünen Häuserzeilen? Wo ist die Abzweigung zu den Gärten der höher gelegenen Wohnungen? Wieso? Ich bin in eine Sachgasse. Nur ein zehn Schritte langer Betonsockel mit einem Holzgitter darauf. Ich stehe an. Wohin nun? Es ist zu spät, er ist auf der anderen Seite des Sockels! Schnitt! Nächster Fetzen: Vor der Wohnung und vor dem Garten ist ein kleiner Platz, das Ende einer Straße, eine Allee mit fünf Bäumen, dann kreuzt die Straße die einen Knick macht den Gehweg. Ich laufe entlang. Parallel zur Straße liegt ein Grünstreifen und in ihm ein schmaler Pfad. Ein paar Gefährten sind bei mir. Plötzlich ist da Wald wo vorher nie welcher war. Wo eben vorhin noch keiner war. Da ist eine Straße, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Ein riesiger Wald, wo vorher nur ein schmaler Streifen war. Eine Böschung, im Tal ein Bach, Sträucher. Stop! Ich glaube diese Bilder schon zu kennen. Ja, diesen Traum habe ich schon einmal gesehen. Ich habe ihn auf Band gesprochen. Es ist keine Angst mehr da wenn ich ihn ansehe. Dennoch war er weit verborgen.
Letztlich werden wir von einem vorbeifahrenden Auto das und jagt angegriffen. Das zweite konnten wir zerstören. Der Fahrer springt also aus dem Fahrzeug und jagt uns, wir rennen die Böschung hinab. Es gibt kein Entrinnen, es gibt Hoffnung, aber letztlich keine Chance des Entkommens. Wir werden in einen alten leeren Eisenbahnwagon gesperrt. Er ist mit einem gespenstartigen Schloss versehen. Die Türe stößt jeden fest zurück, der sich versucht ihr auch nur zu nähern. Es ist dunkel. Langsam dämmert uns, wir werden hier festgehalten um auf unsere Hinrichtung zu warten.
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