Mittwoch, 16. August 2006 15:28 Kuala Lumpur, Malaysia. Ah! Seit ich mich eben herzhaft gestreckt hab’ krampft mein rechter Arm. Autsch.
Nun, ich war heute Morgen also schon auf der Bank und habe meine Miete gezahlt. Ich habe mich auch wegen einem Konto erkundigt. Tja, aber ohne work permit ist bei RHB offenbar nichts zu machen. Habe mit Anddy gesprochen, er hat gemeint ich sollte nach einem savings account fragen und zu ’ner anderen Bank gehen. Er hat nämlich einen Account bei Bumniputra commerce. Das werd’ ich auch probieren.
Eigentlich werd’ ich gerade müde. Keine Ahnung woran das schon wieder liegt. Also zunächst, um hier mit meiner Erzählung weiter zu kommen. Ich hab’ mein Frühstücksmüsli unglücklicherweise auf dem Teppich verstreut, da ich die Packung zu schwungvoll geöffnet habe. Tja. Das sollte ich dann mal echt wegräumen. Vielleicht macht mich das ja müde. Hehe. Das ist schon unangenehm, das anzusehen. Ich meine, ich muss es ja nicht ansehen, ich könnte es ja einfach wegmachen.
Also was ich wirklich schreiben wollte. Die Zeit vergeht. Ich habe am Heimweg von Mydin darüber nachgedacht was ich jetzt am besten wegen dem Business und der Sekretärin machen soll. Und, na ja, ich hab’ noch keine wirklich gute Idee. Also, wenn ich die Flyer selbst verteilen will, muss ich damit mal anfangen. Wenn ich sie verteilen lassen will, dann hab’ ich sie drucken zu lassen und dann abzugeben. Das kostet dann ’ne Menge Geld und ich weiß, dass ich dafür besser kein Geld ausgeben sollte. «Wir haben also eine Entscheidung, oder?» Ja. Das heißt also, dass ich eine Entscheidung habe. Ich verteile meine Flyer um eine Sekretärin zu finden selbst. Genau. Was sowieso klar ist, dass ich die Telefonate dafür prompt annehmen muss. Ich hatte Listen erstellt um Leute zurückzurufen. Dabei habe ich also ungefähr die Hälfte aller Anrufer verloren und es hat mich riesen Überwindung gekostet die Leute zurückzurufen. Beziehungsweise hab’ ich Adrien ersucht die Leute für mich anzurufen. Doch er war so was von unfreundlich am Telefon, es ist echt keine Art wie er mit den Leuten umgesprungen ist. Und da hat es mir dann echt Leid getan, um die Arbeit, um die Leute, um die Zeit, um die Kosten. Das war also eine komplett unnötige Aktion. Aber immerhin, alles ist für etwas gut. Ich habe daraus gelernt. Ich weiß also, dass ich mehr als 2.000 Flyer brauche und ich weiß auch, dass ich mit meinen Interessenten selbst zu sprechen habe. Wenn ich die Flyer also selbst verteile, dann hab’ ich aufzustehen und aus meinem Appartement rauszugehen. Dann hab’ ich an einen belebten Ort zu gehen und dort meine Flyer zu verteilen. Da ist gerade ein Gefühl aufgetaucht. «Okay, welches?» Das Gefühl, dass ich Leute die ich kenne treffen könnte. Ich habe Angst davor jemanden zu treffen, den ich kenne. Yann und die anderen von der Fokusgruppe, aber hauptsächlich Yann haben mich attackiert wegen meinen Plänen eine Sekretärin zu finden. «Verstehe. Und wie fühlst du dich darüber?» Es ist unangenehm. Es ist sehr unangenehm. Es ist als ob ich mich rechtfertigen müsste. Ja, das ist es. Es ist das Gefühl angegriffen zu werden. Jemand sagt, dass deine Idee schlecht ist. Er greift dich an. Genau. So hat mich Yann angegriffen. Das war gemein. Sie hat mich unter dem Deckmantel der Freundschaft angegriffen. Und ich hatte ein Gefühl im Recht sein zu müssen und im Recht zu bleiben. Ich wollte mich rechtfertigen, um zu zeigen, dass das was ich tue richtig ist. Genau! Und wenn ich jetzt mit Flyern rausgehen will, hab’ ich genau das selbe Gefühl. Als ob ich mich dafür rechtfertigen müsste, dass ich eine Sekretärin suche. Ich habe also Angst, dass mich wieder jemand angreift. Das ist es. «Okay. Gibt es ein früheres Erlebnis bei dem du dieses Gefühl hattest?» … «Ja?» Mir fallen ein paar Sachen ein, aber nichts Konkretes. Nichts wo ich sagen würde, das ist es. «Okay. Schau nochmal nach. Gibt es einen früheren Moment in dem du das Gefühl hattest dich rechtfertigen zu müssen weil dich jemand angegriffen hat?» Ja. Da ist was. Liliane hat mich auf einem Meeting mal angegriffen weil die grünen Steine auf dem einen Pin nicht gleichmäßig sind. Sie hat gesagt „Hast du die selber drauf geklebt?“ Das hat echt wehgetan. Den Pin hatte ich erst tags zuvor mit der Post bekommen. Sie hat mir echt die Freude daran verdorben und ich hab’ ihn dann nicht mehr getragen weil ich Angst hatte, dass mich noch jemand deswegen angreifen könnte. «Okay. Gibt es noch ein früheres ähnliches Erlebnis?» Ja, da fällt mir noch was ein. Das war als ich für die Org Flyer verteilen musste. Ich bin also auf der Mariahilferstraße gestanden mit den Flyern in der Hand und ich hatte Angst, dass mich jemand angreifen würde. Das waren die Einsteinflyer von der Org. Und ich hatte Angst, dass jemand die Flyer erkennen würde und mich angreift. Das war unangenehm. «Wieso hast du dieses Gefühl gehabt?» Weil ich nicht hinter der Sache gestanden bin. Weil ich nicht einer Meinung war mit dem was die Org gemacht hat und … Ich habe selbst nichts von der Organisation gehalten und dann war ich in der Zwickmühle da draußen stehen zu müssen. Und entweder die Leute gehen vorbei und lehnen mich ab, also den Flyer halt, oder greifen mich vielleicht sogar an, oder ich gehe nicht raus und Ferdi regt sich auf. Oder sonst jemand hält mir eine Standpredigt, dass das mein Job ist. Das wollte ich nie tun. Deswegen hab’ ich auch nicht unterschrieben. Das wollte ich nie machen. Also ich stand da draußen und hatte Angst von Ferdi angegriffen zu werden, oder von jemand anderem aus der Organisation, weil ich die Flyer nicht verteile. Ja, ich hatte also Angst vor den Leuten und deren Reaktion weil es für mich nicht okay war diese Flyer zu verteilen und auf der anderen Seite hatte ich Angst vor dem Gerede und den Konsequenzen falls ich sie nicht verteile. Ja. Das ist schon lange her. «Okay. Wie würdest du das Gefühl beschreiben?» Ich fühle mich zerrissen, im Zwiespalt. Ich weiß nicht was ich tun soll. Egal was ich tue, beides ist unangenehm. Beides will ich nicht. Man hat mich gezwungen etwas zu tun, das ich nicht tun wollte. Das ist der Punkt. Und ich hatte Angst vor den Leuten denen ich die Flyer geben sollte, weil ich nicht hinter der Sache gestanden bin die die Org vertritt und weil ich keinesfalls wollte dass mich die Leute als „einen von denen“ ansehen, so wie sie das mit Franz oder Lisa gemacht haben. Das war mir sehr unangenehm. Es geht also darum, dass ich etwas tue, das ich nicht tun will, weil ich Angst vor Bestrafung habe. Ich tue etwas das für mich falsch ist, weil ich Angst habe, dass ich sonst bestraft werde und Ferdi oder Sarah mich anschreien oder auf mich einreden. «Okay. Verstehe. Und was hast du entschieden?» Ich habe entschieden Angst vor Leuten auf der Straße zu haben. Ich hatte Angst davor die Flyer zu verteilen, weil ich es falsch fand für diesen Schwachsinn den die Org macht Werbung zu machen. Ich habe also entschieden Angst vor den Leuten zu haben. Ich habe entschieden, dass es falsch ist Flyer zu verteilen und dass ich Angst vor der Reaktion der Leute habe. Und ich habe beschlossen, dass ich ein schlechtes Gefühl und Angst vor Bestrafung habe wenn ich die Flyer nicht verteile. Deshalb habe ich also Angst davor Flyer zu verteilen, weil ich Angst vor der Reaktion der Leute habe. Und ich tue es nicht, weil ich damals für falsch gehalten habe. Und ich fühle mich dann genau so, wie wenn ich weiß, dass mich jemand kontrolliert und mich bestraft wenn ich es nicht tue. Ich habe also noch mehr Angst. Angst erwischt zu werden. «Okay. Diese Entscheidungen, passen sie noch in die Gegenwart?» Nein. Auf keien Fall. «Okay. Möchtest du diese Entscheidungen die du damals getroffen hast also aufheben?» Ja. Das möchte ich. Ich möchte keine Angst mehr haben. Es ist dieses Gefühl, dass ich etwas tun sollte und es nicht tue weil ich denke, dass es falsch ist und mich schlecht fühle wenn ich es nicht tue, weil ich Angst habe bestraft zu werden. Das ist es. «Kannst du es aufheben?» Ja. Ja, jetzt schon. Ich hab das damals so entschieden. Ziemlich wirr. Ja, ich hebe das auf. Das hat keine Wirkung mehr. Ich brauche keine Angst mehr zu haben, dass mich jemand bestraft, oder dass mich jemand angreift. «Okay. Sehr gut. Ich gratuliere zu deiner Entscheidung.» Danke.

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