Donnerstag, 7. September 2006 16:01 Kuala Lumpur, Malaysia. Warum schließe ich meine Augen? Um mich zu entspannen, oder manchmal auch wenn ich ausatme. Ich schließe sie auch wenn ich etwas mehr spüren will und wenn ich Bilder in meinem Verstand besser sehen will. Dazu schließe ich meine Augen. Vielleicht schlafe ich gar so leicht wieder ein und meine Augen fallen gar so oft und so leicht wieder zu weil es in meinem Zimmer so dunkel ist. Vielleicht sollte ich den Vorhang zur Seite ziehen damit mein Zimmer heller wird. Ich kann mich noch erinnern, ich hatte ihn geschlossen weil es so hell war in der Früh und ich nicht gut geschlafen habe. Außerdem empfand ich es als unangenehm, dass da ein Fenster neben mir ist anstatt einer Wand, also habe ich den dunklen Vorhang ganz straff dort hin gezogen. Nun ist es also so weit, ich sitze im Bett und der Tag ist schon beinahe zu Ende. Was ich also unbedingt tun sollte: Zuerst mal duschen und Zähne putzen. Anziehen. Und dann? Lass mich gleich meinen Plan für den heutigen Tag machen. Dann stelle ich meinen Laptop ins Wohnzimmer und stecke ihn an. Ich schreibe die Sachen, die mir einfallen gleich parallel in einer Liste mit, sodass ich dann schon eine fertige Planung für heute habe. Ich sollte mir also Geld einstecken und in den TimesSquare gehen um meine Flyer zu holen. Und ich sollte meine frische Wäsche aus der Wäscherei holen. Und dann muss ich unbedingt zwei zehn Ringgit Ladebons kaufen, eines für Fabios Handy und eines für mein unverwendetes Office-Handy. Und für mein eigenes Handy brauche ich eigentlich auch wieder Guthaben. Ich kaufe also drei. Gut. Und am Abend werde ich dann Fabios Simkarte checken, ob er neue Nachrichten hat oder so. Was sollte ich dann also noch tun? Dann wird es vermutlich zwischen sechs und sieben Uhr sein. Wahrscheinlich eher sieben, da die Zeit schneller vergeht als es mir lieb ist. Dann ist es schon allerhöchste Zeit, dass ich mir ein paar Flyer schnappe, nach Hang Tuah flitze und sie verteile. Nun, ich habe vor viel Geld auszugeben, dass ich noch gar nicht verdient habe, ich sollte also viele Flyer verteilen. Ich werde also die 1.700 Stück mitnehmen, die da in meinem Kasten liegen und schon seit Tagen warten. Wer weiß, ob überhaupt genug Leute dort sind um alle zu verteilen. Denn je später es wird, desto weniger Leute sind unterwegs. Ich sollte also so schnell wie möglich meine Flyer verteilen. Die große Stückzahl schreckt mich ab und auch die lange Zeitdauer, die ich dann dort stehen müsste. Es würde mir viel leichter fallen 300 Flyer zu verteilen. Doch das bringt nicht genug Resultate. Aber was soll’s, immerhin besser als gar nichts. Das ist auch wieder wahr. So, meine Liste für heute mit all den Dingen, die ich tun sollte ist fertig. Jetzt geht’s ans Machen. Ich habe gerade meinen Kopf vom Bildschirm gehoben und festgestellt, wie dunkel es schon geworden ist. Vielleicht ist ein Gewitter nahe, oder vielleicht ist das auch der Beginn der Abenddämmerung. Jedenfalls ist es in meinem Zimmer wirklich dunkel, ja eigentlich schon finster. Und in dieser nächtlichen Stimmung soll ich aufstehen und meinen Tag beginnen. Was für ein Widerspruch. Glaubst du denn dass es mich freut? Was glaubst du denn wie mir zumute ist nachdem ich weit mehr als nur den halben Tag verschlafen habe? Glaubst du dass ich begeistert bin? Oder dankbar, dass ich jetzt doch noch was tun darf? Es freut mich ganz und gar nicht. Ich würde viel lieber lautstark fluchen und dann essen gehen und am Abend, der ja schon begonnen hat, ein Video ansehen. Das ist es was ich gerne tun würde. Und stattdessen muss ich lauter Dinge tun, die ich verabscheue. Es liegt alles daran, dass ich schon wieder verschlafen habe. Das kann doch nicht wahr sein. Warum verschlafe ich jeden Tag? Warum bin ich nie ausgeruht? Warum immer gestresst? Warum erreiche ich meine Ziele nicht? Und warum ist mir eigentlich alles vollkommen egal? Es kümmert mich wirklich nicht mehr ob ich Geld verdiene oder nicht. Es kümmert mich ganz und gar nicht mehr ob meine letzten Reserven zu Ende gehen oder nicht. Wenn sie aus sind ist es halt vorbei. Dann werde ich entweder Bettler oder ich begehe Selbstmord. Viel mehr Auswahlmöglichkeiten habe ich dann wohl noch kaum. Ich möchte nur ein schönes Leben haben. Ich möchte es genießen. Nichts weiter. Ein schönes Leben ist zu wenig konkret? Das ist mir doch vollkommen gleich, ob das detailliert ist oder nicht. Was kümmert es mich denn ob es bildlich ist und dann vielleicht Wirklichkeit wird weil ich es mir so toll vorstellen kann. So ein Schrott. Wenn ich zurückdenke, ich kann mich erinnern an eine Zeit als ich mich um solche Sachen gekümmert habe, an eine Zeit in der ich Realität bewusst in meinen Gedanken erschaffen und verändert habe. Es gab eine solche Zeit und es war ganz und gar nicht schwer, es ging spielerisch und es machte Spaß. Es war die natürlichste Sache der Welt sich etwas vorzustellen und dann passierte es. Und irgendwann habe ich dann den Anschluss verpasst, offenbar. Es wird immer dunkler, draußen wie herinnen. Stockfinster, das ist es. Glaubst du denn, dass mich überhaupt irgendetwas freut? Eigentlich ist es mir alles egal. Ich möchte einfach nur ein friedliches Leben haben, ohne Sorgen, ohne Stress, ohne Alles. Einfach nur... Keine Ahnung was ich eigentlich will. Ich will jetzt jedoch bestimmt keinen Stress und schon gar nicht arbeiten.
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