Donnerstag, 24. August 2006 03:53 Kuala Lumpur, Malaysia. Einige Gedanken sind durch meinen Kopf gezogen, und da ich noch nicht müde bin und meine Finger noch keine Blasen vom Tippen aufweisen, werde ich sie einfach niederschreiben.
Also, das sind eine ganze Menge Dinge und ich denke es wird das Beste sein wenn ich mit dem Wichtigsten ende. Bis dahin kann ich dir ja alles Mögliche erzählen was so in der Welt meiner Gedanken umherschweift.
Vielleicht bin ich doch ein Bisschen müde, doch fast bin ich davon überzeugt, dass ich wieder nicht einschlafen könnte. Soll ich es also riskieren zu schlafen? Kann ich es wagen? Wenn ich einschlafe, stelle ich den Eintrag in der Früh fertig. Falls ich wieder nicht schlafen kann, vollende ich ihn nachdem es mir zu dumm geworden ist herum zu liegen. Deal? «Deal.»

Ich hab’ es also geschafft einzuschlafen. Ich hatte einen wunderbaren Schlaf. Als ich aufwachte fühlte ich mich richtig topfit. Ich wache auf, Licht scheint zum Fenster herein und ich weiß; das wird ein guter Tag. Das war so gegen acht Uhr, oder vielleicht auch acht Uhr fünfundvierzig Minuten. Jedenfalls war es eine wundervolle Morgenstimmung, draußen vor dem Fenster, und drinnen in meinem Bauch. Apropos Bauch, ich bin hungrig. Nun, jedenfalls hatte ich sehr interessante Träume. Eigentlich hatte ich genau einen Traum bevor ich aufgewacht bin. Dann wollte ich mich aufsetzen um ihn zu notieren, doch schneller als ich schauen konnte schlief ich wieder. Oder zumindest befand ich mich wieder in der Traumwelt. Wieso ich jetzt weiß, dass ich in der Wirklichkeit bin? Ich weiß es einfach. Du weißt es wenn du da bist. Aber solange du in der Traumwelt bist könntest du schwören, dass du in der Wirklichkeit bist. Es fühlt sich halt verdammt echt an. Die Farben passen, die Klänge, die Stimmen und alles macht mehr Sinn, ist einfacher, flexibler. Ich fiel also wieder in die Traumwelt hinab und sah mich wie ich mich aufsetzte und meinen Laptop öffnete. Dann begann ich also zu tippen. Und während ich so tippe, sah ich die ganze Geschichte meines Traumes erneut vor meinen Augen ablaufen. Ich sah also mehr oder weniger denselben Traum nochmal. An dem Punkt jedoch an dem ich zuvor aufgewacht war, war der Traum zu Ende und es gab nichts weiter zu schreiben, so endete dieser Traum. Und ich erwachte abermals. So ging das einige Male hin und her und glaube mir ein paar Mal hätte ich schwören können, dass ich jetzt wach bin und wirklich schreibe. Ich fühlte sogar den Druck der Tasten auf meinen Fingern.
Es stieg gerade ein ganz einzelnes Bild von einem früheren Traum in mir auf. Er ist schon einige Zeit her. Jedoch kann ich nicht sagen ob es Tage, nein - es sind mehr als Tage. Ich kann also nicht mit Gewissheit sagen ob er Wochen oder Monate zurückliegt. Es ist ein Wald. Teils sonnig. Teils schattig. Durch ihn verläuft eine Straße, eine asphaltierte Straße. Außer mir sind noch andere Leute dort, drei oder vier. Vielleicht auch fünf. Was hatten wir dort getan? Irgendetwas war dann geschehen? Ich kann das Gefühl noch spüren, es ist beklemmend. Es ist ein Gefühl, des sich Versteckens, des schnell Davonlaufens. Ist es etwas das die Straße entlangkommt, das unsere Furcht verdient? Ich denke, dass es etwas ist, das im Gebüsch am Straßenrand war. Die ganze Zeit über während wir dort gespielt haben. Wir haben es aufgescheucht. Vielleicht sogar mit einem geworfenen Gegenstand getroffen.
Ich höre Johnny ist zu hause, sein Telefon läutet. Es klingt als wäre er im Wohnzimmer. Nun, ich weiß nicht mehr genau worum es in diesem Traum ging. Ich glaube er endete damit, dass wir bergab in den Wald hinein liefen. Liefen wir alle? Lief nur einer von uns? Ich glaube wir haben uns versteckt. Es war eine Bestie, die da plötzlich auftauchte. Sie fraß einen von uns und wir konnten nichts dagegen tun. Alles was wir tun konnten war Stille bewahren um nicht ihr nächstes Opfer zu werden. Es war ein schlangenartiges Getier, vielleicht so etwas wie ein Lindwurm. Es war ein grässliches Getier.
Nun, jedenfalls. Mein Traum vor dem Erwachen. Das war ganz nett. Ich fuhr mit Freunden im Auto, wir waren gerade eingestiegen und ein Stück gefahren. Es waren drei Männer, Petra und ich. Wir fuhren also auf einer stark befahrenen Straße. Es war Stau, oder wie ich später herausfinden sollte, wir standen in der Warteschlange einer Ampel. Es war also eine Küstenstraße, oder war es nur ein sehr weiter Fluss? Links jedenfalls all das Wasser, sehr schön. Auf der Rechten war ein aus Erde künstlich errichteter Wall. Es ging etliche Meter hinauf. Und drüben gab es Lokal, Tische im Freien, Leute die Gespräche führten, gute Stimmung, Eiscreme, Musik, einen Radweg, einen neben dem Radweg verlaufenden, in ein Bett gezwängten, Fluss, es war richtig was los. Es war ein schöner Sommertag. Petra bemerkte also, sie wolle mit mir da was trinken gehen, oder spazieren, jedenfalls dort hin. Alles stand im Stau, wir öffneten also die Autotüren. Ich wusste, von hier würden wir ohne große Anstrengung nach hause kommen und es war eine nette Idee von ihr. Wir steigen also aus dem Auto. Alle. Damit sie vom Rücksitz raus kommt und sich die verbleibenden Insassen neu verteilen können. Gerade als wir alle ausgestiegen sind, wird die Ampel vor uns also grün, sie ist weit vor uns. Doch als wir alle ausgestiegen sind, ist die Kolonne vor uns verschwunden. Wir deuten dem Fahrer hinter uns, er möge entschuldigen. Er nimmt es mit einem Lächeln. Wo waren wir denn bloß vorher? Erst jetzt fällt mir auf, dass ich eine Krawatte und ein Sakko trage? Waren wir auf einem Meeting? Na ja, Business halt. Die drei sind also wieder eingestiegen. Ich gehe also voraus, in Richtung Straßenrand und warte nur ein paar Meter von dem Ort entfernt, an dem unser Auto gestanden hatte. Doch als ich mich nach Petra umdrehe, um zu sehen ob sie kommt; was muss ich sehen? Sie ist zu irgendjemand anderem ins Auto gesprungen. Das kann doch nicht wahr sein. Ein ganz seltsames Gefährt. Die Hülle ist beinahe nur aus Glas, zumindest ist sie durchsichtig. Es bewegt sich unheimlich knapp über dem Boden. Die Sitze der Insassen sind allesamt in Ruheposition gebracht. Sie liegen also mehr als sie sitzen. Und nun liegt Petra quer über ihnen. Ich kann meinen Augen nicht trauen als sie so davonfahren. Ich versuche noch zu rufen und zu deuten. Will erfahren, was da vor sich geht. Das kann es doch einfach nicht sein. Sie hat einfach ihre Meinung geändert ohne es mich wissen zu lassen. Ich bin gekränkt, nicht nur das, ich bin wirklich beleidigt. Es ist eine Frechheit was sie da tut. Ich muss also alleine, gedemütigt, durch sie sengende Hitze nach hause kommen. Ich erklimme die ersten paar Stufen, die hinauf auf diesen Erdwall führen und die ersten Leute die ich erblicke sehen mich äußerst skeptisch an. Ich merke es liegt an meinem Outfit. Und heiß ist mir auch noch. Wahnsinnig heiß, ich entferne also meine Krawatte, was mich gegen die schlimmsten der Blicke schützt. Während des Traumes wandelt sich Petra in Julia. In etwa zu diesem Zeitpunkt.
Julia habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Sie schreibt mir seit einiger Zeit vermehrt SMS, erkundigt sich wie es mir geht, schickt viele Bussis im Anhang ihrer Nachrichten. Sie ist schon nett. Auf eine gewisse Art und Weise liegt mir viel an ihr. Sie war recht frisch auf Staff als ich damals Mitarbeiter in der Org wurde. Sie ist heute noch immer dort, und wenn mich nicht alles täuscht ist sie dadurch, dass sie auf Training gehen wollte/musste/durfte nun zu fünf Jahren verpflichtet. Nun ist es halt immer die Frage ob man mit diesen Dingen übereinstimmt. Doch gehört schon eine kräftige Portion Freidenkertum dazu nicht damit übereinzustimmen, womit alle übereinstimmen und stattdessen zu tun was man selbst für richtig hält. Deshalb bin ich auch vor Ende meines Vertrags gegangen. Auch wenn es nicht ganz so leicht war für mich und zwischen dem Zeitpunkt wo ich erstmals gehen wollte und bis ich dann endlich frei war, ohne all zu stark zu brechen - denn ich hätte ja auch einfach gehen und nie wieder kommen können - sind zwischen sechs und neun Monaten vergangen. Also jedenfalls ist die kleine Julia noch immer auf Staff. Wir waren einmal zusammen fort, da waren auch noch eine ganze Menge anderer Leute mit. Es war schön mit ihr zu tanzen, ihre Taille ist gut geformt, ihre Hüften haben beinahe betörende Wirkung auf mich. Es war schön meine Hände so um sie zu legen während wir tanzten.

Bevor ich dir weiter von meinem Traum erzähle, der von hier an etwas bruchstückhaft wird möchte ich noch ein paar andere Gedanken des Erwachens mit dir teilen. Einer der ersten war die Feststellung, dass mein Hals kaum noch geschwollen ist, mein Kopf nicht mehr schmerzt, mir nicht schwindelig ist, ich keinen Schmerz in meinen Glidern und kein Pochen in meinen Gelenken fühle. Ich werde also gesund. Nun ja, eigentlich eine feine Sache. Aber eigentlich habe ich gerade erst erkannt, dass ich krank sein will. Will ich das wirklich? Nein. Natürlich nicht. Ich wollte nur krank sein um die Freiheit zu haben. Genau. Ich brauche also nicht krank zu sein, ich brauche bloß zu tun was mir Freude bereitet. Alles was ich tun muss ist mich mit dem zu beschäftigen was mir Spaß macht. Ich sollte mich um all meine verrückten Projekte kümmern. Das ist es. Kann ich diese Freiheit nun wirklich erfahren, kann ich sie annehmen und genießen? Schaffe ich es gesund zu sein, mich körperlich gut zu fühlen und trotzdem nur zu tun was mir Freude bereitet, ohne zu versuchen Arbeit zu tun?
Irgendwie bin ich gerade nicht in der Stimmung zu schreiben und dir mehr zu erzählen. Auch wenn es wichtig wäre, denn ich habe die Befürchtung, dass wenn ich dir nicht jetzt von meinem gestrigen Treffen mit Remy erzähle, ich darauf vergessen könnte. Und dabei war es mir sehr wichtig. Es gab einen ganz eigenen Sinn, es warf ein ganz eigenes Licht auf die Welt.
Was denkt Johnny wohl von mir? Die letzte Woche, die er hier wohnt, hat er mich einmal arbeiten gesehen. Er sieht mich krank, er sieht mich lang schlafen, er sieht mich malen, er sieht mich schreiben, er sieht mich meine Freundin mit Heim bringen. Wie denkt er wohl über mich? Und was macht er in letzter Zeit wohl immer? Er kommt so spät nach hause und er verbringt die Nachmittage kaum noch hier. Schade eigentlich. Ich wollte schon fast sagen, dass ich einen guten Freund brauche. Doch wenn ich eine Freundin habe, dann reicht das mal fürs Erste. Ich brauche einfach Kontakt, Gespräche, Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Keine Kommentare: