Donnerstag, 24. August 2006 00:32 Kuala Lumpur, Malaysia. Ich stand gerade am Balkon und dachte vor mich hin. Ich habe am heutigen Tage gute 4.600 Worte geschrieben. Eine nette Tagesproduktion. Bei solchen Ausmaßen darf man ja wirklich schon von Produktion sprechen.
Ich habe also gekocht und gegessen. Es war gut, ich habe noch einiges zu lernen. Nochmals zu „es war gut“, du musst wissen, ich war sehr hungrig. Wenigstens die Chillisauce ist gut geworden. Na ja, eigentlich hab’ ich zu viel Knoblauch hinein getan. Aber sie war ganz okay, wenn auch etwas mild.
Jetzt da ich sitze kehren meine Kopfschmerzen und der Schmerz im Hals beim Schlucken zurück. Offenbar war ich die letzten 90 Minuten woanders. Zumindest gedanklich. Ich dachte schon an mein Unwohlbehagen und meine Krankheit, fühlte mich dennoch nicht krank und übel.
Wieso bin ich nicht Autor geworden? «Weil du gar nichts geworden bist.» Das ist gemein. Aber vermutlich wahr. Ich bin gar nichts geworden, habe keinen Beruf erlernt und mich im Leben bis jetzt auch noch nicht behauptet.
Was ich also gerne machen würde. Wer ich also gerne wäre. Wer ich gerne sein würde. Ich erinnere mich an eine Zeit als ich zuhause saß und Schwarzpulver herstellte. Das war interessant. Das war aufregend. Es war lehrreich und neu. Es war einfach spannend. Ich tat also etwas, das mich interessierte, das ich mir selbst ausgesucht hatte und ich tat es einfach. Nur aufgrund meines Willens. Ohne Motivation von außerhalb, ohne wirkliches Ziel, ohne feste Absicht. Es interessierte mich einfach, also tat ich es. Das ist doch ein wundervoller Zustand. Ich tat was immer mir Spaß machte. Ja, genau das ist es was ich im Leben haben möchte - Spaß. Ich möchte einfach nur Spaß haben. Möchte das tun was mir gerade Spaß macht, mich mit dem beschäftigen was mich gerade interessiert. Möchte lesen, möchte fremde Sprachen lernen, möchte Konzerte besuchen, möchte experimentieren, möchte Vergnügungspark besuchen, möchte all die Dinge probieren die ich noch nie getan habe. Möchte Fallschirmspringen, möchte am Strand liegen, möchte malen, möchte um die Welt reisen, möchte fremde Länder besuchen, möchte Museen besichtigen, möchte Bäume pflanzen, möchte Getreide ernten, möchte barfuss gehen, möchte einkaufen gehen, möchte teuere Gewänder anfertigen lassen, möchte Wohnungen einrichten, möchte Filme sehen, möchte eigene Filme machen, möchte Musik machen, möchte abstrakte skurrile Musik aufzeichnen. Ich möchte so vieles tun. Ich möchte einen Tag einer Person lediglich akustisch aufnehmen, möglichst ohne Stimmen, mit überbetonten Geräuschen. Möchte eine bizarre Scheinwelt für die Ohren erschaffen. Ich möchte Videos drehen, möchte die verrücktesten Sachen machen. Möchte Sachen filmen, an die du kaum denken kannst. Ich möchte wieder Schwarzpulver mischen, möchte Kracher und Raketen machen, möchte meine eigenen Bomben bauen. Möchte die Leute erhalten, möchte ihr staunen als Beifall ernten. Das, um nur ein paar der Dinge zu nennen, die mir spontan einfallen und begehrenswert erscheinen.
Ich möchte die Freiheit all das tun und lassen zu können was ich tun will. Viele dieser Gedanken sind sicherlich verrückt, aber wen kümmert es. Ich möchte meine Zeit einfach für mich interessant gestalten. Ich möchte Pläne schmieden, möchte an Sachen tüfteln, möchte Baupläne zeichnen und Aufgaben lösen, ich möchte meine Visionen umsetzen, möchte sehen wie sie sich umsetzen lassen, möchte sehen wie sie funktionieren und möchte mich an ihnen erfreuen. Ja, das ist mein Begehr.
Morgen, also eigentlich schon heute, kommt Kim zu mir. Ich glaube, dass sie mittlerweile schwer in mich verliebt ist. Süß, wie sie mich Abend für Abend anruft. Mit mir redet, mir sagt, dass sie mich vermisst. Sie ist schon lieb. Verliebt bin ich jedoch nicht in sie, aber vielleicht kommt das noch, oder ich verleugne es. Wer weiß. Es ist also geplant, dass sie nach der Arbeit zu mir kommt, wir zusammen kochen und so. Es braucht nicht erwähnt werden, dass somit eine heiße Nacht bevorsteht.
Anfangs fragte ich mich ob die Geschichte, die sie mir erzählt wahr ist. Ihre Geschichte. Wer sie ist, woher sie kommt, wo sie arbeitet, was sie macht und all das. Es sind noch immer eine ganze Menge Widersprüche, die ich nicht durchblicke. Sie hat recht viel Geld, fährt nach Singapur und wohnt dort in einem Fünf-Stern Hotel. Nun, vielleicht mag es stimmen was sie sagt, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es wirklich so, dass man sie nicht einreisen lassen würde, da sie thai ist. Vielleicht stimmt es aber auch nicht. Wer weiß schon was sie wirklich tut wenn ihr Telefon abgedreht ist und sie keine SMS beantwortet. Vielleicht stimmt es ja, dass sie mit ihrer Familie essen war. Vielleicht stimmt ihre Geschichte, vielleicht ist es auch nur eine einzige lange Lüge. Vielleicht ist sie nettes Mädchen aus Thailand, das hier mit Prostitution ihren Lebensunterhalt verdient. Das wäre ja nicht unüblich für Asien. Habe ich doch schon einige junge und wirklich fesche Frauen gesehen, zum Beispiel von den Philippinen, die des Nachts ihr Geld verdient haben indem sie sich den Touristen anboten. Ich werde mit der Zeit schon herausfinden wer sie wirklich ist.
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