Dientag, 22. August 2006 23:30 Kuala Lumpur, Malaysia. Ich habe meinen Abend also ganz nach dem Programm für schlechte Tage gestaltet. Zuerst war ich mit mir essen und dann bin ich alleine ins Kino gegangen. Ein netter Brauch, den ich aus Österreich mitgebracht habe. Ein Brauch, den ich schon einige Zeit lang lebe. Vor vielen Jahren hab’ ich damit begonnen. Nach dem Kino werde ich immer so nachdenklich, wie ich es früher immer war. Ich versuche nun mit Worten etwas zu beschreiben, das sich nicht mit Worten ausdrücken lässt. Nach dem Kino fange ich an über das Leben und seinen Sinn nachzudenken. Während des Films breitet sich Stille in meinem Geist aus. Stille einer anderen, fremden Realität. Keine wirkliche Ruhe. Dennoch ist es eine Art des Abschaltens, auch wenn eine etwas seltsame. Ich war also im Kino, mein Kopf dröhnte und tut es immer noch. Nun bin ich also wieder zu hause. Johnny sitzt am Balkon und telefoniert mit Nicole. Ohne es zu wollen schweifen meine Gedanken zu ihm, weg von meinem Eintrag, und ich beginne seinen Worten zu lauschen, wodurch ich natürlich hier den Faden verliere.
Der Film hat mich recht mitgenommen. Tränen standen zeitweise in meinen Augen. Es ging um einen Typ, der sein Leben mit einer Fernbedienung schnell vorspult und dabei eigentlich alles verpasst. So vergeht sein Leben und es ist echt traurig, wie er dann erfahren muss was passiert ist während er auf Autopilot war. Das hat mich zum Nachdenken angeregt. «Wieso?» Mein Leben vergeht. Tag für Tag. Gerade war ich noch jung, gerade war noch meine Kindheit und ehe ich mich versehe bin ich über zwanzig Jahre. Und vermutlich wird die Zeit auch weiterhin auch so schnell vergehen. Bald werde ich vierzig sein und dann alt und kurz danach bin ich dann tot. Eigentlich keine angenehme Vorstellung, dass die Zeit so schnell vergeht. Wieso tut sie das bloß? Habe ich beschlossen, dass dieser Tag bloß schnell vergehen soll, in der Hoffnung, der nächste wäre besser? Es kommt mir fast so vor.
Ich bin einfach schockiert, wie schnell das Leben vergeht. Wie wenig ich weiterbringe und wie weit ich von dem entfernt bin was ich eigentlich will. Wie viele Tage sind es die ich nicht genieße? Nur weil ich beschlossen habe, dass sie keine guten Tage sind weil ich verschlafen habe. Oder aus welchen Gründen auch immer. Wie viele Tage meines Lebens sind schon vergangen, ohne dass ich an den Blumen gerochen habe und die Welt mit einem Leuchten in den Augen betrachtet habe? Zu viele.
Wann habe ich den Sinn verloren? Wann ist es geschehen? Wann habe ich vergessen was meine Aufgabe hier ist? Warum habe ich es vergessen? Warum habe ich im Laufe der Zeit den Sinn meines Lebens vergessen? Wieso habe ich vergessen wer ich bin? Interessieren mich all diese Sachen wirklich? Ist es nicht viel wichtiger zu fragen was der Sinn meines Lebens ist, anstatt erfahren zu wollen wann und warum ich ihn vergessen habe? Ja. Da siehst du, das meine ich. Ich bin einfach daneben, außerhalb des Gleichgewichts. Ich kann es nicht ertragen.
Ich habe über das Sterben nachgedacht. Einfach so zu sterben. Fein. Wäre gar kein großer Deal. Es wäre einfach vorbei. Ein unbedeutendes Leben. Eines von vielen. Rede ich nur schlau, oder sehe ich die Wirklichkeit wirklich so? Würde es jemanden kümmern? Bestimmt. Vielleicht hoffe ich das auch bloß. Wie dem auch sei. Ein kleines belangloses Leben.
Und über noch etwas habe ich nachgedacht. Ich hätte gerne eine Freundin. Nicht dass ich keine hätte, ich habe Kim. Und, ja, es ist schön mit ihr zu schlafen. Aber das ist es auch schon. Wirklich eine Basis zum Reden haben wir nicht. Und sonst wohl auch kaum wenig gemeinsame Interessen. Ohne da jetzt zu viel beurteilen zu wollen. Sie ist einfach ein netter Zeitvertreib. Um es ganz klar auszusprechen: Ich liebe sie nicht. Ich tue es einfach nicht. So einfach ist das. Sie ist nett, sie ist hübsch. Und es ist schön mit ihr zu schlafen. Das ist alles. Und übrigens, es war schöner mit Hana zu schlafen. Das ist die harte «Wer macht sie so?» Realität?
Ich hätte also gerne eine Freundin, eine wirkliche Freundin. Eine die ich liebe. Eine die mich liebt. Eine mit der all meine romantischen Träume in Erfüllung gehen. Eine mit der ich gemeinsam arbeiten kann. All die Ideen und Gedanken, die ich nur allzu oft als Berechnungen abwerte und beiseite schiebe, das sind die Dinge die ich wirklich will. Das ist es wovon ich träume. Es geht nicht darum, dass sie die Arbeit macht, die ich nicht mag. Es geht darum, dass jeder tut womit er gut ist. Es geht darum, dass wir und ergänzen, dass wir uns lieben und es geht um das Gefühl. Es geht niemals um den Job, es geht nicht um das Geld, nicht um die Anerkennung. Es geht darum Freiheit zu haben und den Moment zu genießen. Es geht vielleicht gar nicht mal darum etwas zu erreichen sondern vielmehr darum zu sein und den Moment mitsammen zu genießen.
Und abschließend, worüber ich noch nachgedacht habe. Ich habe über mich nachgedacht. Über mich, wie ich bin, wie ich war, wie ich mich verändert habe, wie ich nie werden wollte, wie ich geworden bin und was alles ich nie erwartet hätte. Ich rede viel. Früher habe ich nie viel geredet. Nun rede ich sehr viel. bin fast süchtig nach Kommunikation. Früher konnte ich Stille genießen, früher war ich still. Es war mein Element. Ich war in meiner Welt, habe für mich gedacht, habe zugehört, zugesehen und war deshalb klüger. Dafür stand ich nie im Mittelpunkt. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass mich meine Schweigsamkeit, oder eigentlich das Nichtaussprechen von Dingen die es kritisch betrachtet nicht wert sind gesagt zu werden, über die anderen erhebt. Ich war kühl, ich war zwar nicht kalt, aber ich war keinesfalls emotional. Und ich habe keine nutzlosen Kommentare von mir gegeben. Ich habe „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ gelebt. Ich habe gedacht bevor ich gesprochen habe. Womit ich nicht sagen will, dass ich unflexibel war. Sondern eher bedacht. Ja, ich war bedacht und weise. Ich war überlegt. Nun, deshalb war ich nicht besonders spontan und etwas schüchtern, recht zurückhaltend und ziemlich introvertiert. Eigentlich war ich ein einsamer Spinner in meiner Welt. Aber ich war glücklich, auch wenn ich es damals im Moment nicht so gesehen habe. Wieso war ich damals nicht glücklich? Weil ich meinte, ich müsste so und so sein und dieses und jenes haben um glücklich sein zu können. Und alles was ich damit erreicht habe ist, dass ich damals nicht glücklich war und die Zeit ist vergangen und ich bin es noch immer nicht, weil ich es noch immer von äußeren Umständen abhängig mache und es mir nicht wirklich vergönne.
All das Denken bringt mich nicht weiter. Nur die Zeit vergeht, während ich so sitze. Und die Zeit wird weiter vergehen und wenn ich nichts tue, dann wird sich nichts getan haben. So einfach ist das, und auch so erschreckend. Und so wie die letzten vier Monate vergangen sind, werden die nächsten Jahre vergehen. Und wenn ich nicht aufpasse werden die nächsten zehn Jahre so vergehen wie die letzten vier. Ich hatte keinen Job, manchmal schon. Habe mich mit dem einen oder anderen versucht. War nie wirklich ernsthaft bei der Sache und ließ eigentlich nur die Zeit vorüberziehen. Erschreckend. Beklemmend. Und eigentlich sollte es Anstoß sein um etwas zu ändern. Dein bester Freund und dein schlimmster Feind - die Gewohnheit. Wieso habe ich es bloß so weit kommen lassen, dass es für mich ganz normal ist, dass die Tage vergehen ohne dass ich etwas tue? Wollte ich dieses Problem nicht schon lösen seit es existiert? Ist dies nicht der Grund weshalb ich all die esoterischen Bücher gelesen habe? Ist dies nicht der Grund weshalb ich all die Selbstentwicklungsbücher gelesen habe? Ist das nicht auch der Grund weshalb ich mich mit Scientology beschäftigt habe und beinahe Opfer dieser Krankheit geworden wäre? Ist das nicht auch der Grund weshalb ich schon so vieles versucht habe um mich selbst zu finden? Suche ich denn an der falschen Stelle? Ja, das ist das Problem, ein und dasselbe, das seit Jahren ich zu lösen versuche. Manchmal habe ich das Gefühl der Lösung näher gekommen zu sein, manchmal hingegen habe ich das Gefühl mich einfach immer weiter von ihr zu entfernen und vom Leben verschluckt zu werden, und manchmal habe ich das Gefühl, dass alles keinen Sinn macht. Seit vielen Jahren versuche ich nun also diese eine, essentielle Frage meines Lebens zu lösen, dieses eine wirkliche Problem. Meine Trägheit, meine Unbeweglichkeit, meine Lustlosigkeit, meinen Motivationsmangel, meine Undisziplin und das Warum, weshalb ich einfach nichts tue. Den Grund dafür dass ich meine Zeit vergehen lasse und nicht glücklich bin. Wann werde ich Antworten finden? Geschweige denn Frieden?
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