Dientag 22. August 2006 18:25 Kuala Lumpur, Malaysia. Hallo! Auch wenn ich schon ganz dringend aufs Klo muss werde ich nun noch ein paar Zeilen zu dir schreiben. Ich liege also auf der Couch herum, in der Hoffnung meine Kopfschmerzen würden verschwinden, versuche zu lesen und sehe zum Fenster hinaus. Draußen regnet es. Und die Fahne, die ich gestern Abend am Balkon aufgehängt habe macht sich gut. Doch jetzt im Regen klebt sie sich etwas zusammen. Na ja. Zumindest flattert sie recht schön wenn’s trocken ist. Es ist die einzige Fahne auf einem Balkon oder Fenster des Angkasa Impian 2 soweit ich das sehen kann. Niemand sonst hat eine draußen. Wahrscheinlich alles Ausländer.
Was ich dir also schreiben wollte: Ich sitze/liege hier so auf der Couch und Gedanken ziehen durch meinen Kopf. Ich möchte also so etwas wie ein Gedankenprotokoll erstellen. Womit beginne ich am besten? Ja, gestern Abend, vor dem Einschlafen kam mir Astrid in den Kopf. Sie und ihr Bruder Markus sind mit mir gemeinsam in die Volksschule gegangen. Ich habe lange an sie gedacht und habe mich erinnert als ich eines Tages bei ihnen zu Besuch war. Meine Mama und deren Mama saßen im Wohnzimmer und haben geplaudert. Während wir und Astrids ältere Schwester Conny ganz beschäftigt waren. Ich war mit Markus in einem Zimmer und im Nebenzimmer waren die beiden Schwestern. Es gab eine Verbindung zwischen den beiden Zimmern. Eine Art Luke in der Wand. Und so schrieben die beiden unaufhörlich kleine Zettelchen, die erfragen sollten ob ich in eine der beiden verliebt wäre. Kleine Zettelchen mit Kästchen zum Ja/Nein ankreuzen. Sie schrieben Zettelchen um Zettelchen. Und ich kreuzte Mal für Mal das Kästchen mit „Nein“ an. Und so schrieb sowohl Astrid als auch ihre Schwester mir ein neues Zettelchen, in der Hoffnung meine Meinung hätte sich geändert. Ich weiß nicht warum, «Wirklich?» doch ich traute mich einfach nicht zu bejahen obwohl ich Astrid sehr mochte und sie vielleicht sogar die erste Liebe meiner Kindheit war. Ich traute mich einfach nicht zu sagen, dass ich sie wirklich mochte. Vermutlich hat sie das verletzt. Ich mochte sie wirklich. Warum es damals so gelaufen ist wie es gelaufen ist und nicht anders? Das ist eine gute Frage. Hätte ich damals „Ja“ angekreuzt, hätte ich vermutlich meine erste Freundin schon in jungen Jahren gehabt und hätte nicht fünfzehn Jahre alt werden müssen, bis ich das erste Mädchen küsse. Eine interessante Wendung des Schicksals. Wie wäre mein Leben wohl anders verlaufen? Wäre ich vielleicht nicht so einsam gewesen während meiner Gymnasialzeit? Was wäre anders gewesen? Ein Schmunzeln huscht über meine Lippen. Wer weiß?! Jedenfalls hab’ ich mich damals einfach nicht getraut, weshalb Astrid dann irgendwann von mir abgelassen hat. Und kurze Zeit später war sie dann mit einem anderen Burschen aus der Klasse zusammen. Da gab es nur zwei Typen, die einfach dümmer als Stroh waren und absolut keine Manieren hatten. Der eine war Thomas, dem ich in meinem letzten Hauptschuljahr wieder begegnen sollte. Und der andere, bei dessen Namen ich mir nicht sicher bin, vielleicht hieß er Alexander G., vielleicht auch anders. Jedenfalls hatte er es auf sie abgesehen und war schon kurz darauf mit ihr Hand in Hand zu sehen und ich musste mit ansehen wie sich die beiden vor dem Schulgebäude küssten. Was ist also die gesammelte Erfahrung? Ich war zu schüchtern, hab’ mich nicht getraut meine Gefühle auszudrücken, hatte Angst vor dem was dann vielleicht passiert wäre. Und schließlich erfahre ich dann Schmerz, da ich etwas unterlassen habe, das ich eigentlich wollte - bloß aus Feigheit. Schüchternheit ist eine Sache, Feigheit eine andere. Und was wirklich weh tat war, dass sie mit dem dümmsten Typen der Klasse zusammen war. Das tat wirklich weh. Wie gern ich ihn damals bekämpft hätte. Doch weiter als Pläne auf Papier zu zeichnen und mir zurechtzulegen was ich wohl gern sagen würde, bin ich nie gekommen.
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