Guten Morgen! Obwohl er eigentlich nicht gut ist. Und Morgen ist auch schon lang vorbei. Unvorstellbar wie schlecht ich mich fühle, da ist erst jetzt, kurz vor 17:00 aufgestanden bin. Ich komm mir so richtig mies vor, hab es wieder mal nicht geschafft. Mein Wecker war auf 8:30 in der Früh eingestellt und hat auch geläutet, daran kann ich mich erinnern. Keine Ahnung wieso ich schon wieder nicht aufgestanden bin. Vorhin, als ich noch im Bett lag, hab ich mich gefragt wann ich denn das letzte Mal zeitig, in der Früh, zu meiner vorgenommenen Zeit, aufgestanden wäre und bin zu dem Schluss gekommen, dass das erst ein paar Monate her ist. Da war ich zwei oder 3 Tage lang in der Früh laufen und bin um 6:00 Uhr aufgestanden.

Aber eigentlich, fällt mir gerade ein. Um nicht alles durcheinander zu bringen, erzähl ich die Geschichte der letzten 31 Stunden von vorne nach hinten, statt umgekehrt.
Also, gestern in der Früh hab ich noch so ein Schlüsselchen zu meiner Oma zurückgebracht, in dem sie mir wohl vor Wochen, wenn nicht Monaten, mal was zu essen mitgegeben hat. Das Ding hab ich gestern, bei meinem Anfall von Fleißigkeit und Hausarbeitsverrichtungsdrangs abgewaschen. Auf alle Fälle hab ich vorher mit ihr telephoniert, ob sie zu hause ist, hab ihr von meinem Blog erzählt, hab schnell ein paar Links von meinen Bildern in ein Email geschickt und ihr geschickt. Bei meiner Oma angekommen, stell ich fest dass der Grund weshalb ich eigentlich zu ihr gegangen bin, das Schüsselchen, noch bei mir zu hause im Vorzimmer steht. Okay. Also, hat sie sich die Photos im Netz angeschaut, ich hab ihr zugeschaut, noch schnell ein paar Worte wegen Malaysia geplaudert und dann war ich schon wieder am Heimweg um das Schüsserl zu holen. Das hab ich ihr dann gleich vorbeigebracht.
Meine Flyer, 200 Stück, hatte ich schon in der Manteltasche einsteckten. So machte ich mich also auf den Weg zur nächsten U-Bahnstation um sie dort zu verteilen. Das ist nicht weit weg, nur ein paar Gehminuten. Jedenfalls komm ich dort an und es sind kaum noch Leute unterwegs, klar es war ja auch schon 9:30 Uhr. Also beschließ ich zur Mariahilferstraße zu fahren, dort sind immer Leute unterwegs. Also, ab in die U-Bahn und los gehts. Ein nicht unwesentlicher Grund, weshalb ich beschließe wo anders hinzugehen, ist weil ich Angst davor habe in der Nähe meiner Wohnung vielleicht jemanden zu treffen, der mich kennt. Jedenfalls sitz’ ich in der U-Bahn, steig’ Landstraße aus um auf die U3 zu wechseln, da denk ich mir: Eigentlich könnte ich ja auch hier Flyer verteilen, immerhin ist das ein Knotenpunkt, wieso nicht, da sind viele Leute unterwegs. Also, Rolltreppe rauf, und schon steh ich auf der Straße, die Flyer in der Tasche. Ich schau mich mal vorsichtig um, ja, Leute sind genug da. Plötzlich merke ich, dass ich mich nicht wirklich traue Flyer zu verteilen. Also gehe ich die Landstraße entlang, in der Hoffnung, dass das Gefühl verschwinden würde wenn ich ein bisschen weiter gehe. Ich gehe also, und gehe, und das flaue Gefühl in meinem Bauch wird gar nicht besser, im Gegenteil, ich seh’ mir mal an wie viel 200 Flyer sind und komm mir ziemlich überfordert vor. Vielleicht hätte ich mal mit 10 Flyers anfangen sollen. Also, ich gehe immer weiter und dann erkenne ich irgendwann, dass die Landstraße aus ist, 150 oder 170 oder mehr Hausnummern bin ich also entlang gelaufen, hab’ Ausschau gehalten nach einer sonnigen Ecke an der ich stehenbleiben kann um meine Zettel zu verteilen und hab bei jeder einen Grund gefunden, wieso sie nicht geeignet ist.
Jedenfalls hab ich mich dann überwinden können meine Flyer auf Autos zu stecken, in die Fahrertüre. Das hat mich anfangs zwar Überwindung gekostet und ich hatte echt Angst, dass mich jemand anspricht, was ich da mache, oder dass mir jemand sagt dass das verboten sei. Und nach und nach wurde es dann besser, nach 10 oder 20 Autos ist jemand in dem Auto drin gesessen, auf das ich nen Flyer stecken wollte, huch, schnell weiter! Während dem Verteilen sind mir dann allerlei Gedanken durch den Kopf gegangen, immer und immer wieder, eigentlich nur Schrott, der dafür aber in allen Variationen, mit vielen Ausschmückungen und das ganze auf Endlosschleife, so hatte ich das Gefühl. Dann ist mir etwas eingefallen, dass Alexandra mal erzählt hat: Sie hat Flyer auf Autos verteilt und jedem irgendwas Positives gewünscht. Also hab ich dann angefangen, jeden Flyer mit dem ehrlichen Wünschen von „Gesundheit und Erfolg“ auf ein Auto zu stecken. 200 Flyer war schon viel, aber als ich es geschafft hatte war es eigentlich ganz schnell vorbei und ich hätte gern mehr dabei gehabt.

Jetzt bin ich wieder da, und schreibe weiter an meinem Post. Stell Dir vor, ich war vom Erzählen übers Flyerverteilen gerade so motiviert, dass ich rausgegangen bin und 230 Flyer auf Autos gesteckt habe. Toll! Und weil ich schon mal draußen war, außerhalb meiner Wohnung, war ich auch gleich einkaufen, jetzt hab ich endlich wieder was zu essen. Keine Ahnung wann ich weggegangen bin, jedenfalls ist es jetzt kurz nach 19:00 Uhr. Obwohl das Thermometer beim Weggehen 8 Grad oder so gesagt hat, muss es draußen viel kälter sein, denn mir sind die Finger fast abgefroren beim Zettelverteilen.
Ich war jetzt also unterwegs und ich hatte eine tolle Erkenntnis. Eine Erkenntnis darüber wie wichtig Kontinuität ist, wie wichtig Stetigkeit ist. Und warum es ohne nicht, nur schlecht, oder viel schwerer geht. Kontinuität, Ausdauer das ist offenbar der zentrale Dreh und Angelpunkt im Networkmarketing. Ich hab an die Leute von meiner Fokusgruppe gedacht, wenn wir uns einmal in der Woche hören, dann tun die immer so als ob ich so viel tun würde und sie nichts. Sie stellen mich immer so toll hin, und ich bin in Wirklichkeit aber mit meiner Leistung unzufrieden. Jetzt hab ich festgestellt, das liegt daran dass ich zwar vielleicht viel mache, mehr als sie zumindest, aber dass ich das nicht konsequent mache sondern stark schwanken und vor allem alles an einem Tag und den Rest der Woche tue ich nichts. Also, ich habe festgestellt, am Papier mag ich das selbe gemacht haben, wenn ich 7 Tage lang je 200 Flyer verteile oder wenn ich an einem Tag 1400 Flyer verteilt habe, aber in Wirklichkeit: In Wirklichkeit erschafft man durch seine Gedanken und Handlungen seine Realität und wenn ich 6 Tage nichts tue, dann erschaffe ich 6 Tage lang etwas das mir nicht gefällt, und dann verteile ich am siebenten Tag 1400 Flyer und komme mir total gestresst vor und erschaffe somit wieder etwas, das mir nicht gefällt. So einfach ist das. Dieses ganze „Tu es jeden Tag“ macht nur den Sinn, dass man es jeden Tag tut, die Realität jeden Tag ein Stückchen in diese Richtung biegt und immer(also jeden Tag, immer und immer wieder) bei der Sache ist. Echt simple und doch so raffiniert. Ich bin wirklich beeindruckt. Also, hab ich gestern Flyer verteilt und heute auch. Super!

Also weiter mit meiner Erzählung von gestern. Es war grad so gegen 11:00 als ich mit den Flyers fertig war und ich war mitten irgendwo im Nirgendwo. Keine Ahnung wo ich war, allerrdings weit und breit keine U-Bahn, keine Straßenbahn und auch kein Bus. Verloren. Die Sonne schien kräftig, es war schön warm und ich war gut gelaunt, zum einen weil sie Sonne schien, zum anderen weil ich alle Flyer verteilt hatte. Ich rief also Peter an, meinen portugiesischen Freund, obwohl ich ihn eh am Abend am Meeting sehen würde. Ich fragte ihn wie es mit der Homepage vorangeht, die er aus dem Portugiesischen auf deutsch übersetzt und er sagt, dass er nur noch ein Video überspielen muss, von VHS Kassette auf MiniDV. Da macht’s bei mir klick, ich sag ihm, dass ich ihn in zehn Minuten nochmal anruf. Sofort ruf ich Christoph an, ich hab ihn vor ein paar Tagen mit 2 Freunden getroffen als sie Filmausrüstung und einen VHS-MiniDV-Player zu Christian gebracht haben. Das war die Idee. Er sagt, dass er den Player noch hat, allerdings um 15:00 Uhr zurückgeben muss. Ich vereinbare also mit ihm, dass ich vorbeikomme und das Video überspiele. Dann ruf ich Peter an, fahr in den 12ten Bezirk, vorher musse ich noch ne Straßenbahn finden um überhaupt mal zu ner U-Bahn zu kommen, und hol die Kassette ab. Ab in die U-Bahn und ans andere Ende der Stadt, dazwischen spring ich noch mal schnell raus um eine Toilette zu suchen. Okay, und wieder zu U-Bahn, und zu Christoph und Christian. Ich komme dort an und die schauen noch ihren Film an, ich bin total kribblig. Dann stellen sie erst das ganze Zimmer um und dann, endlich, ich kann zu dem Player, mitlerweile ist es schon recht spät geworden und ich weiß, dass sie spätestens in einer Stunde gehen müssen. Ich spiel mal die VHS vor um zu sehen wie lang das Ding ist: 1 Stunde und 20 Minuten. Verdammt. Okay, ich ruf also Peter an und frage ihn ob er die Burschen und die Ausrüstung in ner Stunde zum Medienzentrum bringen kann, wo sie das Zeug zurückgeben muss. Jetzt noch Christoph überzeugen, dass das viel praktischer ist. Er willigt ein. Jetzt noch Christian überzeugen, dass wie in seiner Wohnung bleiben können, denn er muss bald zur Arbeit. Alles passt. Video hat inzwischen zurückgespielt. Ich drück „play“, „miniDV“, „record“ und nichts tut sich. Okay. Dann nochmal, die VHS spielt ab, ich bin total stressed-out. Ich schmeiß das Zeug hin, hab keine Nervenmehr, lass mich auf die Couch fallen und sag Christoph, dass er es machen soll. Nichts. Okay, er ruft beim Medienzentrum an und lässt sich erklären wie das Zeug funktioniert und dann läuft’s endlich. War ne VHS mit dem Titel „Intelligente Geschäftmöglichkeit“ oder so ähnlich, jedenfalls so ein Networkmarketing Rekrutierungsvideo von irgendeinem amerikanischen Wirtschaftsguru. Der Fernseher hat keinen Sound, weil die Lautsprecher kaputt sind, wir sehen und also eine 20 Minuten lange fixe Einstellung vom sprechenden Kopf von dem Typen an. Echt spannend ohne Sound. Also in Wirklichkeit lassen wir das Ding laufen und plaudern über alles Mögliche. Plötzlich ruft Christoph: „Schau, das sind die OEC Volumes“ Ich schau hin und die Einstellung hat auf den Gesprächspartner von dem Wirtschaftsguru gewechselt. Christoph ist aus dem Häuschen, er meint hinter dem Typen hätten die OEC Volumes gestanden. Ich kann mir das nicht vorstellen. Die Einstellung wechselt wieder, und, verdammt!, ja! Hinter dem Typen, in dem Wandverbau stehen, neben vielen anderen Bücher, 8 große grüne Bände. Alle recht dick, am Rücken kannst du wenn auch etwas verschwommen die zwei Dreiecke und das „S“ erkennen. Ich denk mir: „So was aber auch“. Christoph macht mich auf die verschiedenfarbigen Streifen unten auf den Bänden aufmerksam. Ja da, ich seh’ es: Der erst Band ohne und dann, gold, lila, rosa, grün, grau, gelb und blau. Verdammt, denk ich mir, das kann’s ja nicht sein! Und da wundert’s dann noch wen wenn man immer wieder hört Networkmarketing hätte was mit Scientology zu tun. Das ist ein Gerücht. Keine der großen Firmen, die ich kenne hat da was am Hut damit. Die Leute auch nicht, manche sogar ganz im Gegenteil. Und dann stehen da auf einem Video von diesem Wirtschaftsguru die Organisation Executive Course, kurz OEC, Bände hinter ihm. Das ist ja echt seltsam. Ich war total aus dem Häuschen.
Jedenfalls ist das Video dann fertig überspielt, Peter ist auch schon eingetroffen, die Pizza die wir bestellt haben kommt. Super. Dann stecken wir noch ein zweites Video von Peter in den Recorder, das dauert aber nur 12 Minuten. Anschließend bringen wir dann das Zeug ins Auto, meine Nerven liegen nach all dem, und mittlerweile bin ich ja schon lang auf, blank. Wir bringen das Zeug zurück, verabschieden uns von Christoph und fahren zu Peter. Verdammt ich bin müde. Irgendwie vergeht die Zeit sehr schell und erst mein läutendes Telephon reißt mich aus dem Halbschlab vor Peters Computer. Es ist schon fast sieben am Abend und das Meeting beginnt gleich, wir stürmen zum Auto und ab gehts. Meine Mama war auch da und sie verbreitet schlechte Stimmung. Wäh, wie ich das hasse wenn sie so in der Gegend giftige Atmosphäre versprüht. Widerwillig ist sie bereit, dass wir noch in die Milleniumcity fahren, ich will dort noch was essen gehen. Geschafft. Ich bin totmüde. Um Mitternacht endlich daheim. Und dann verbring ich noch ganz eineinhalb Stunden damit dieses Photo von einem Citylight Plakat zu finden. Ich wusste nicht, von wem es war, deshalb hab ich ewig gesucht. Das war mir untertags ein paar Mal aufgefallen, da sie einen hübschen Busen hat. Tja, da sieht man wieder wie Werbung wirkt - ich hatte mir nicht gemerkt von wem es war. Jedenfalls ist es dann kurz nach zwei Uhr in der Früh als ich ins Bett falle und sofort einschlafe.

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